Das war’s schon wieder, Adios, Mallorca!

Um bloß keine Hektik aufkommen zu lassen, packen wir unsere Koffer gaaanz langsam zusammen. Es ist mal wieder erstaunlich, dass das Gepäck am Ende einer Reise stets mehr Raum wegzunehmen scheint als zu Beginn. Aber wir müssen ja auch so einige Souvenirs einpacken. Zwei Kilo Käse und den Honig und Wein von La Granja; dann wollen wir heute in Soller noch etwas Hierbas und einige Orangen besorgen…

Soller PromenadeWährend wir da so beim Frühstück sitzen, sehen wir den „Hiper“-Menschen, der uns den Tigra gebracht hatte, ungeduldig wartend an einem der Tische im Saal sitzen. Hin und wieder spricht er mit der Hotelbesitzerin, die an der Rezeption arbeitet und die dann immer zum Schlüsselboard hinzeigt. Hähä, offensichtlich ist er heute dran mit Warten!

Soller AltstadtFür unsere letzten Einkäufe fahren wir um halb zwölf mit der nostalgischen Tram nach Soller hinein. Die Markthalle macht leider gerade zu, als wir ankommen, aber was wir haben wollen, bekommen wir auch in den Läden in der Nähe der Placa de Sa Constitucio. Nur die Orangen gefallen uns hier nicht so gut. Im Café Paris genehmigen wir uns noch einen Kaffee, bevor wir bereits um 13 Uhr zurückfahren. Wir verschenken nichts und fahren die Strecke bis zur Endstation im Zentrum von Puerto Soller mit. Hier kauft Birgit noch ein neckisches Mallorca-T-Shirt für ihren Bruder; Orangen finden wir in „unserem“ Supermarkt.

Um an umserem letzten Tag unserem Magen auch noch etwas zu gönnen, kehren wir noch einmal in das Randemar ein. Dieses mal passen wir aber auf, dass wir nicht schon wieder den Fotoapparat liegen lassen…

Ab 15 Uhr warten wir in der Halle auf unsere Abholung. Die zwei Stunden bis dahin überbrücken wir mit Lesen und Kaffeetrinken. Um 17 Uhr 25 ist es dann soweit. Derselbe Bus „A38″, mit dem wir hier hin kamen, bringt uns zurück zum Flughafen von Palma. Während der Fahrt schlägt die Übelkeit von gestern noch einmal durch, kein Wunder bei dem Geschaukel. Auf der Hinfahrt ist mir das nicht so aufgefallen… Wahrscheinlich liegt das auch an meinem Alter!

Im Flughafen ist nichts los. Wir sind fast die ersten beim Einchecken, das blitzschnell vonstatten geht. Nun haben wir noch etwas Zeit für einen Bummel durch die Duty-Free-Shops, um unsere letzten Peseten loszuwerden. Irgendwas werden wir schon finden, und seien es Alkoholika! Prost.

Wir langen recht kräftig zu und stopfen unsere Errungenschaften in die beiden Rucksäcke, die wir kaum noch zu kriegen. Birgits großer Rucksack hängt wie tonnenschweres Gewicht auf meinem Rücken, und als ich ihn absetze, scheine ich ein Stück zu wachsen!

Als Grundlage für das Abendessen im Flugzeug verdrücken wir vorher noch ein trockenes Schinkenbaguette mit Cola. Dann können wir endlich zu unserem Abflug-Tor D21 gehen, wo schon tausend Leute zu warten scheinen. Die Luft hier ist bereits verbraucht, und ein älterer Mann ist wohl schon so mitgenommen, dass er auf die Damentoilette geht. Indes lacht sich seine Begleitmannschaft kaputt. Überhaupt ist es wie immer sehr interessant, die Leute zu beobachten, die hier herumstehen.

Endlich geht es dann ins Flugzeug; langsam schiebt sich die Menschenschlange in den Metallrumpf. Eine Zeitlang scheint es gar nicht voranzugehen. Da wiegt der Rucksack dann plötzlich doppelt so viel… Wenn man so dumm herumsteht, redet man ja auch schon mal dummes Zeug, aber wenn dann eine ältere Frau hinter uns meint: „So’n langer Gang hier, so’n Blödsinn!“, dann packe ich mich doch an den Kopf…

Der Flug selber verläuft dann – glücklicherweise – mal wieder unspektakulär; es ist nur leider sehr eng und warm im Flugzeug. Das interessanteste aber ist noch der anscheinend asthmatische Opa, der wie ein Fisch ständig nach Luft zu schnappen scheint und sich während des ganzen Fluges vorne bei den Stewardessen aufhält. „Und der fliegt alle zwei Wochen nach Mallorca!“ hören wir irgendwo eine fast empörte Stimme hinter uns. „Unmöglich!“

Ja, soll er doch, solange er noch kann, oder?

Mit Gegenwind erreichen wir Düsseldorf um 23 Uhr 30, nach Aussage des Kapitäns noch pünktlich, obwohl wir länger geflogen sind als geplant! Das muß eine revolutionäre Mathematik sein, die das ergeben hat!

Die letzten Tage auf der spanischen Insel

Schon vor dem Frühstück muß ich feststellen, dass das Älterwerden seine Spuren hinteräßt. Ich sitze so auf dem Bett, säubere mein Taschenmesser, mit dem wir immer das Brot und den Käse auf unseren Wanderungen schneiden, und frage mich plötzlich, was da für Hautfetzen an meinem Finger hängen.

Erschrocken stelle ich fest, dass ich mich tatsächlich geschnitten habe! Habe ich gar nicht gemerkt. Die ersten Anzeichen von Senilität, oder leide ich bereits an einer Nervenkrankheit, so dass ich den Schmerz gar nicht mehr fühlen kann? Irgendwann in den vergangenen Tagen ist es mir auch passiert, dass ich das Messer verkehrt herum zuklappen wollte. „Warum funktioniert das nicht?“ dachte ich noch, als ich schließlich sah, wie ich mit Kraft auf die Schneide drückte. Wenn die schärfer gewesen wäre, hätte ich mir glatt die ganze Handfläche aufgeschnitten… Ich darf gar nicht dran denken. Alzheimer läßt grüßen, und leise rieselt der Kalk…

Apropos „alt“: In dieser ersten Woche meines Daseins als Dreißigjähriger haben sich tatsächlich einige Wehwehchen eingestellt, die für mich neu waren: Zum einen diese dicke Blase am rechten Hacken, womit ich noch nie Probleme hatte; dann diese roten Pusteln auf den Unterarmen. Birgit meinte, das sei eine Sonnenallergie. Habe ich auch noch nie gehabt! Geht’s jetzt los? Zum Glück haben die rötlichen Punkte heute morgen schon wieder etwas nachgelassen.

Leuchtturm SollerHeute mittag müssen wir unseren schnuckeligen Mietwagen wieder abgeben. Um ihn wenigstens noch etwas nutzen zu können, fahren wir die kurze Strecke bis zum Leuchtturm hinauf, klettern dort über den Zaun (dort ist eine kleine Leiter, was bedeutet, dass man das ruhig darf) und spazieren auf einem schmalen Pfad hoch über der Küste gen Westen. Wir schlagen uns durch üppiges Grün, pausieren mittendrin auf einem sonnigen Felsen, und machen uns schließlich wieder auf den Rückweg.

Um 13 Uhr sind wir wieder im Hotel, aber wie wir schon fast befürchtet haben, kommt niemand, um den Wagen in Empfang zu nehmen. Eine Stunde später schließlich schreibe ich einen Zettel mit dem Hinweis auf die kaputten Türschlösser, hefte den Schlüssel daran und drücke ihn dem Hotelchef in die Hand. Wir warten nicht länger, sollen die doch zusehen, was sie mit dem Wagen machen!

Soller InnenstadtWir haben Hunger und machen uns auf in den Ort. Heute ist es ganz besonders warm, und am Strand vor der neuen Promenade liegen schon die ersten Sonnenanbeter im Sand. Zwei Jugendliche kämpfen sich auf Surfbrettern durch die wenigen Wellen, die hier heranrollen. Das Ristorante „Randemar“ an der Hauptstraße spricht uns sehr an, und wir bestellen uns standesgemäß Pizza. Die meine finde ich nur leidlich gut, so Durchschnitt halt, aber Birgit ist begeistert von ihrer Frutti di Mare. Was uns aber am meisten beeindruckt, ist die Bestrahlung durch den Licht- und Hitzespender am Himmel. Da wir uns unbedingt draußen hinsetzen wollten, mußten wir notgedrungen einen Tisch nehmen, der in der prallen Sonne steht. Das bekommen unsere Köpfchen dann auch zu spüren…

Um die gesammelte Hitze zu kompensieren, gönnen wir uns im fast benachbarten Eiscafé einen großen Eisbecher. Jedenfalls verspricht das das Bild auf der Karte. Das größte an diesem Eis ist jedoch die Portion Sahne obendrauf. Die vielleicht zwei verirrten Kugeln Eis, die wir in unseren Bechern finden, zerlaufen schon fast. Nein, so gut ist das Eis wirklich nicht, aber da mir das ja alles nichts ausmacht, esse ich Birgits Portion auch noch ein Stück mit.

Da haben wir wieder so einige Kalorien gebunkert. Um die abzuarbeiten, schlendern wir noch ein wenig durch den Ort und kraxeln die steilen Treppen in der neuen Wohnsiedlung hinauf, die direkt am Hang hinter Puerto Soller liegt. Vielleicht können wir von dort oben noch einen schönen Blick die Küste entlang nach Osten erhaschen und die letzten Bilder verknipsen… „Ja, wo ist denn eigentlich mein Fotoapparat?“ fragt Birgit da unvermittelt und stutzt. Zum letzten Mal haben wir den im Ristorante gesehen, wo wir ihn auf den Stuhl neben uns gelegt haben. Da haben wir ihn dann wohl auch liegen lassen. Birgit wird ganz traurig; wir rechnen nicht damit, dass der Apparat noch da ist oder dass ihn jemand abgegeben hat. Aber einen Versuch ist es wert. Da wir uns sowieso so langsam auf den Rückweg machen wollten, kehren wir zurück zu der Pizzeria – und tatsächlich: Glücklich kann Birgit ihren Apparat entgegennehmen; er ist tatsächlich abgegeben worden. Es gibt also doch noch nette Mit-Touristen…

Strand bei SollerAls wir im Hotel zurück sind, ist mir plötzlich ganz schlecht. Das kommt bestimmt von dem üblen Eis! Siehste, sage ich zu Birgit, mein Kuhmagen ist mit Dreißig auch nicht mehr das, was er mal war! Ein kleiner Schluck von dem Hierbas, den wir uns im Supermarkt gegönnt haben, hilft nicht besonders. Mein eigentliches Geheimrezept ist da schon eher eine Cola, die ich mir dann auch unten von der Theke hole. Ja, danach geht es mir schon besser…

Zum Abendessen gehen wir heute nicht, wir sind noch pappsatt von heute nachmittag, und ich will meinen Magen nicht mehr strapazieren. Stattdessen gehe ich noch etwas an die frische Luft, um meinem kleinen Bruder telefonisch zum Geburtstag zu gratulieren; heute wird er fünfzehn, halb so alt wie ich! Heute abend ist es zum ersten Mal auch zu dieser Tageszeit noch herrlich mild draußen, man kann bequem im T-Shirt herumspazieren. Eigentlich ein herrlicher Abend, um am Strand noch eine Flasche Wein zu köpfen. Aber Birgit hat sich schon bettfertig gemacht, und so spielen wir an unserem vorerst und für dieses Jahr letzten Abend auf der Insel noch eine Partie Siedler von Catan…

Ach ja: Unser Mietwagen ist in der Zwischenzeit offensichtlich abgeholt und anstandslos mitgenommen worden, teilte uns der Hotelchef mit. Bin mal gespannt, ob wir von dem Vermieter noch etwas hören…

Streifzug um den Puig Major höchsten Berges von Mallorca

Erneut gehören wir zu den Letzten am Frühstückstisch, aber das macht uns ja nichts aus. Wir sind ja im Urlaub, und nichts zwingt uns, jeden Tag früh aufzustehen. Seit vorgestern abend haben wir neue Tischnachbarn, ein Paar mittleren Semesters, das heute aber schon fertig zu sein scheint. Nur einige Krümel zeugen noch von seiner Anwesenheit hier am Tisch.

Puig Major ObservatoriumDa unsere Füße sich wieder erholt haben, unternehmen wir heute noch einmal eine Wanderung, dieses mal einen „Streifzug um den Puig Major“, den mit etwa 1500 Metern höchsten Berg auf dieser Insel. Wir folgen dabei wieder einer vorgeschlagenen Route aus dem kleinen blauen Büchlein. Unser Tigra bringt uns zu einer kleinen Parkbucht entlang der Straße nach Sa Calobra, von der aus wir die Tour beginnen. Um halb zwölf latschen wir los, zunächst steil den Hang hinauf, vor dem wir geparkt haben. Wir marschieren mal wieder auf einem steinigen Weg, der kaum zu erkennen ist. Aber Birgit geht vorneweg und bewährt sich als Pfadfinderin. Anscheinend auf dem richtigen Weg erreichen wir den Grat dieser Erhebung und erhaschen einen ersten Blick über die Straße nach Sa Calobra mit ihren zahllosen Windungen hinweg auf das Mittelmeer hinaus. In der Ferne erkennen wir einen Turm, der als Wachposten vor Piraten schützen sollte, die früher über das Meer kamen. Heute sind es halt die Touristen, die die Insel überfallen…

Der Weg wird besser, und irgendwann setzen wir uns auf einem großen Stein in die herrliche Sonne und genießen erneut unser Lieblingsessen: Baguette mit Käse. In solchen Momenten gibt es nichts Wohlschmeckenderes auf der Welt! Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und die Sonne ins Gesicht scheinen, und schalten ein wenig ab.

Ein Stückchen noch, dann würden wir die Mini-Dörfer Bini-Gran und Bini-Petit erreichen. Den Abstieg mache ich dann alleine, während Birgit sich mit ihrem Buch auf die Anhöhe zurückzieht. Ich möchte einfach nur mal sehen, was hinter der nächsten Kurve ist…

Puig MajorWährend der ganzen Wanderung schon hat es ständig um uns herum geklingelt und geläutet; wirklich überall scheinen die Schafe, von mir auch liebevoll „schottische Schweine“ genannt, hier herumzurennen. Jetzt sogar direkt vor mir auf dem Weg. Mir gegenüber steht ein Schaft und blökt mich an. Mir fällt keine Erwiderung ein. Einmal, zweimal macht es noch „Mäh“, dann geht es doch zur Seite, blökt noch einmal und verschwindet. Eine seltsame Unterhaltung…

Vor mir öffnet sich ein wirklich anheimelndes Tal, das von dicken Felsen vor dem Seewind geschützt hier am Fuße des Puig Major liegt. Ein paar Häuser kann man erkennen in dieser Idylle, in der wir Stadtmenschen es wohl nicht lange aushalten würden…

So langsam kehre ich zu Birgit zurück, und wir machen uns auf den schweißtreibenden Rückweg. Irgendwo hängt Birgit mich ab und gewinnt einige hundert Meter Vorsprung. Prompt gerate ich auf den falschen Weg und muß mir unter Birgits amüsiertem Gelächter erst den Weg durch das Dickicht kämpfen, um den richtigen Pfad zu erreichen. Ist ja nicht zu fassen, sowas. Verirre ich mich hier doch glatt in der Pampa!

Etwa 16 Uhr beginnen wir mit dem Abstieg hinunter zur Parkbucht. Kaum erreichen wir den Tigra, stellen wir fest, dass wir zwar den Kofferraum auf kriegen, aber beide Türen lassen sich von außen mit dem Schlüssel nicht mehr öffnen!

Durch den Kofferraum können wir die Türen jedoch von innen öffnen, und ganz aufgeregt fahren wir zwei Kilometer auf der Straße nach Sa Calobra zurück bis zu dem Kiosk, der direkt an der Abzweigung der Straße von der C710 liegt.

Wunderschönes FornalutxAuf dem Rückweg nach Puerto Soller fahren wir noch einmal nach Fornalutx. Dieses mal wollen wir uns das „schönste Dorf Spaniens“ nicht nur vom Auto aus angucken. Heute haben wir mehr Glück auf der Suche nach einem Parkplatz und stellen den Wagen direkt vor ein Café ab. Mit dem Fotoapparat bewaffnet stapfen wir dann die zahlreichen Treppen hinauf und entdecken wirklich hübsche Ecken in dem Örtchen. Schließlich genehmigen wir uns noch den obligatorischen Orangensaft und kehren um 18 Uhr zum Hotel zurück.

Nach kurzer Pause zur Erholung von dem aufregenden Nachmittag und einer belebenden Dusche können wir unsere neuen Tischnachbarn davor warnen, einen Tigra mieten zu wollen, da dieser doch bloß das Interesse von Autodieben weckt…

Es ist schon faszinierend. Eine ganze Woche haben wir Thorsten und Andrea aus Hamburg zugehört, wie sie uns Empfehlungen gaben, und nun sind wir diejenigen, die den Neuankömmlingen etwas von den hiesigen Möglichkeiten erzählen. Das Wort „wildromantisch“ gebrauchen wir dann aber doch nicht…

Ach ja: Eines Abends haben Birgit und ich gewettet, wie oft Thorsten an jenem Abend dieses Wort gebrauchen würde. Wir lagen beide falsch. Als ob er es geahnt hätte, sagte er stattdessen zum ersten mal und gleich zweimal „traumhaft schön“! Da waren wir ganz schön überrascht!

Beliebte Ausflugsziele wie La Reserva und La Granja erforschen

Ah, heute können wir mal wieder ohne unsere fabulierenden Tischnachbarn frühstücken. Nach diesem ruhigen Tagesbeginn ereilt uns aber sofort ein Schreck. Als wir zu unserem Wagen gehen, um unsere für heute geplante Fahrt zur Finca La Granja zu beginnen, sehen wir, dass der linke Außenspiegel schlaff herunterhängt.

Den muß jemand abgefahren oder dagegen getreten haben. Ist ja’n Ding! Sonst ist gottseidank nichts zu sehen an dem Auto. Nach ein wenig Gewurschtel habe ich das Plastikteil wieder eingehängt; die Mechanik ist zum Glück sehr einfach, und ich kann das selbständig wieder einrenken.

Kleiner WasserfallUm halb elf düsen wir dann endlich los Richtung Escorles. Zunächst verfahren wir uns etwas und landen in Valdemossa. La Granja wollen wir uns dann auch für den Nachmittag aufheben und besuchen als erstes den Naturpark „La Reserva da Puig Punyent“, ein Ausflugsziel auch für die Einheimischen. Hier durchwandern wir einen pflanzenreichen Park, und finden einen Bären im Käfig vor. Wir sind ganz erstaunt, dass es hier diese Tiere geben soll, haben wir doch überhaupt nichts davon gehört oder gelesen…

Auf dem vorgezeichneten Pfad werden wir zunächst von einer schwerfälligen Gruppe älterer Leute ausgebremst. An einer Wegabzweigung kommen wir endlich an ihnen vorbei, und ihr spanischer Führer spricht uns sofort auf deutsch an. „Oben am Rastplatz sehen wir uns wieder“, teilt er uns zu unserer Überraschung mit. „Halten Sie dann bitte Ihre Eintrittskarten bereit.“ Na sowas…

Der Park ist ganz nett. Ein paar hübsche kleine Wasserfälle gibt es hier, und in der Nähe des Rastplatzes, wo man selber grillen kann und es auch einen kleinen Kiosk gibt, treibt sich eine Unzahl Pfaue herum. Als ich einige von ihnen fotografieren will, kommt der Führer zu uns, versucht sie für uns anzulocken, und knippst dann doch noch unsere Tickets ab. Irgendwie erinnert er mich ein bißchen an Jorge, den Kayaklehrer auf Vancouver Island, den wir letztes Jahr während unserer Kanadareise kennengelernt hatten.

Allzu spektakulär finden wir den Park dann aber doch nicht, und so ist der Rückweg denn auch schnell geschafft. Für einen Familienausflug mag La Reserva gut geeignet sein, aber für uns bietet sie nicht genug. Nach einem Orangensnack auf dem Parkplatz fahren wir dann zurück Richtung Escorles und zur Finca La Granja. Dort kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie die Mallorquiner gelebt haben und wie man sich auf solch einem Gehöft vollständig selbst versorgt hat.

La GranjaUm etwa 14 Uhr erreichen wir den recht großen Parkplatz, auf dem sich schon viele Pkws und zahlreiche Busse befinden. Hinter uns folgen sogleich einige weitere Reisebusse nach. Also beeilen wir uns, um vor der nächsten Horde in den Hof hineinzukommen.

Man merkt sofort, dass die ganze Sache natürlich äußerst touristisch angelegt ist. Kaum haben wir bezahlt und sind, den Pfeilen für den Rundgang folgend, die ersten Treppen hinaufgegangen, will man uns mit irgendwelchen in Trachten gekleideten Mädels ablichten. Wir lehnen dankend ab und kämpfen uns durch die Scheunen, die vollgestopft sind mit alten Geräten und fast noch älteren spanischen Touristen. An denen ist kaum vorbeizukommen. So klein die meisten von denen auch sein mögen – sie nehmen unglaublich viel Platz ein auf den Wegen und in den schmalen Gängen…

Wir durchqueren die Räumlichkeiten der Finca und sehen Wohn- und Schlafzimmer, Spielzimmer und Küchen und dergleichen mehr. Es ist schon sehr interessant. Was uns aber am meisten erstaunt, ist, dass hier hundert Jahre alte Bücher, die sicher einen gewissen Wert haben, offen herumliegen, sodaß sie theoretisch jeder berühren und dabei beschädigen oder sogar mitnehmen könnte. Bei uns in Deutschland gäbe es sowas nicht…

Schließlich beenden wir den Rundgang und erreichen den großen Innenhof, in dem sich letztendlich die ganzen Besucher wiederfinden. Hier gibt es gratis Wein zum Probieren; man kann Honig und andere Produkte der Finca kaufen, das Restaurant besuchen, und, und, und. An einem Stand wird Käse zum Probieren ausgegeben, und für das Frischgebackene aus Kartoffeln stehen die Leute Schlange. Auch wir gönnen uns etwas. Den Wein probieren wir natürlich auch; vielleicht nehmen wir sogar einen mit. Dann stellen wir uns für das Gebäck an. Hier beginnen wir uns über die Leute zu wundern. Unsere Tischnachbarn im Hotel hatten uns gewarnt, dass besonders die „Muttis“ hier mit Vorsicht zu genießen seien. Wenn es etwas umsonst gibt, sind sie vorne mit dabei. Und tatsächlich: Wir werden hier fast erdrückt von den älteren dicklichen Frauen, die ihren Hunger stillen wollen. Besonders eine Frau, von uns liebevoll „die Hexe“ genannt, hat es uns angetan. Wir stehen wartend in der Schlange, etwa an vierter oder fünfter Position, als sie von rechts ankommt und schaut, was es hier gibt. Dann verschwindet sie wieder. Eine halbe Minute später taucht sie links vor uns direkt an der Theke wieder auf und hat bereits Gebäck in der Hand und im Mund und stopft gierig nach! Wir fassen es nicht! So was dreistes!

Aber das Gebäck schmeckt uns auch, besonders mit Orangenmarmelade. Hier kann man sich richtig satt essen, stellen wir fest. Als wir den Blick über den Innenhof schweifen lassen, erkennen wir, dass offensichtlich einige der Besucher versuchen, den Eintritt Pfennig für Pfennig heraus zu arbeiten, indem sie essen und trinken, soviel sie können. Wir sehen einige, die sich kaum noch gerade halten können und ständig mit vollen Weinpinnecken quer über den Hof schießen. Man könnte sich beömmeln… Unsere Hexe gehört auch zu diesen Leuten. Entsetzt, aber nicht überrascht, stellen wir fest, dass es sich um eine Deutsche handelt! Als wir uns am Käsestand entschließen, zwei Kilo dieses leckeren Zeugs mitzunehmen, sehe ich, wie die Hexe mit ihrem Kartoffelkloß, von dem sie gerade sabbernd abgebissen hat, erneut durch die Schüssel mit Puderzucker fährt. Da vergeht mir fast der Appetit; die schreckt wirklich vor nichts zurück.

Mit einiger Mühe und einigem Probieren wählen wir uns einen Wein aus, kaufen den Käse und zwei Gläser Honig und gönnen uns noch zwei Gebäckbällchen auf dem Weg hinaus, als wir die Hexe reden hören: „Nee, ich kann nicht mehr.“ Wir fallen fast vom Glauben ab; das haben wir echt nicht mehr erwartet!

Port ValdemossaUm noch etwas Vernünftiges in den Magen zu bekommen, beschließen wir, heute einmal nicht im Hotel zu essen, sondern einer Empfehlung des Reiseführers zu folgen. Wir fahren eine sehr enge Straße, die sich von Valdemossa sechs Kilometer in zahllosen, äußerst engen Kurven bis zum Meer hinunterwindet, nach Port Valdemossa. In diesem kleinen Hafenörtchen soll man sehr gut Fisch essen können. Schmaler kann man eine Straße wirklich nicht bauen; der Mittelstreifen ist ein Witz! Die Straße nach Sa Calobra ist dagegen wirklich Kinderkram! Unten angelangt müssen wir feststellen, dass zu dieser Jahreszeit offensichtlich noch kein Restaurant geöffnet hat; sowieso scheint das ganze winzige Örtchen total tot zu sein. Wir müssen also auf unseren Fisch verzichten.

Bis nach Soller schaffen wir es nicht mehr rechtzeitig zum Abendessen, also quälen wir uns die Serpentinen wieder hoch und fahren weiter nach Valdemossa, wo wir hoffentlich einen Happen kriegen werden…

Am Ende der Fußgängerzone finden wir ein kleines Bistro, das noch geöffnet hat, und kehren hier ein. Wir sind zum Glück nicht die einzigen Gäste, wie wir schon befürchtet haben. Das Essen mundet uns dann auch ausgezeichnet. Hausgemachte Kroketten, Schweinemedaillons und die Spezialität Tumbet sind echt lecker. Als wir nach einem Digestif fragen, bietet man uns einen Hierbas an – einen einheimischen Likör, der uns ebenso gut schmeckt. Den merken wir uns!

Anschließend geht es durch pechschwarze Nacht zurück nach Puerto Soller. Heute scheint die Strecke zwischen Deia und Soller, die wir ja schon einmal befahren haben, eine besonders schreckliche Buckelpiste zu sein. Der Wagen springt nahezu über die vielen Wellen in der Straßendecke, und um 21 Uhr erreichen wir unser Hotel.

Ausflug in den Norden der Insel nach Boquer und Cap Formentor

Das Cap Formentor müssen wir unbedingt besuchen, ermahnten unsere Tischnachbarn uns eines Abends. Da wir das eh’ vor hatten und wir unsere Füße heute ein wenig schonen wollen, machen wir uns nach einem kurzen Einkauf in einem der kleinen Supermärkte von Puerto Soller um 10 Uhr auf den Weg Richtung Puerto Pollenca. In der Nähe waren wir ja gestern schon…

Um halb zwölf erreichen wir den Ort, durchqueren ihn aber und fahren gleich hoch zum ersten Aussichtspunkt, der auf dem Weg zum Cap liegt, obwohl mir die Tankanzeige etwas Sorge macht. Der Parkplatz beim Mirador Colomer ist um diese Zeit bereits gerammelt voll, zig Pkws und zahlreiche Busse blockieren fast schon die Straße, und Dutzende von Touristen schlängeln sich die schmalen Stufen zur Aussichtsplattform hoch bzw. wieder runter. Der Blick nach Norden Richtung Cap entlang der kargen Küste ist schon faszinierend, und der Atem gerät in’s Stocken, wenn man in die Tiefe blickt. Kaum zu glauben, aber es sind von hier aus zweihundert Meter bis zur Wasseroberfläche. Jetzt bloß nicht taumeln…

Obwohl es mal wieder sehr unterhaltsam ist, den Touristen zu lauschen, halten wir uns nicht sehr lange auf. Wir amüsieren uns darüber, wie eine Frau ihren Mann zusammenstaucht, weil sie extra wegen ihm hier herauf geklettert ist, obwohl er nur den trostlosen Turm fotografieren will, der sich auf dem Gipfel auf der anderen Straßenseite in die Höhe reckt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dort irgendjemand herumrennt. Irgendwie kommt man wohl dort hinauf, aber das lassen wir mal.

Da mir nun doch etwas mulmig wegen des flüchtigen Benzins wird, kehren wir um und suchen in der Stadt eine Tankstelle. Außerdem ist jetzt wohl gerade Stoßzeit, was den Verkehr an Touri-Bussen und Autos auf dem Cap angeht. Wir werden uns halt erst den Ort ein wenig ansehen, einen kleinen Spaziergang zum Boquer-Tal machen und anschließend zum Cap fahren.

Bei der Einfahrt nach Puerto Pollenca habe ich eine Tankstelle gesehen, fällt mir ein. Wir müssen also nur quer durch den Ort zurückfahren. Dieses gestaltet sich jedoch recht schwierig, denn die Hauptstraße ist eine Einbahnstraße, und so kreuzen wir durch irgendwelche kleineren Wohnviertel, bis wir einen Kilometer vor dem Ortseingang auf die Hauptstraße zurückfinden und die Tankstelle erreichen. Schnell getankt, und weiter geht’s, wieder in den Ort hinein. Am Straßenrand finden wir eine freie Parklücke. Von hier aus marschieren wir Richtung Strand und Hafen und kaufen unterwegs noch ein paar Orangen ein.

Die Strandpromenade bietet so ziemlich alles, was man als Tourist hier braucht. An kleinen Läden, Restaurants und Cafés herrscht kein Mangel. In einem Lädchen suchen wir uns aus der Kühltruhe jeder ein Eis aus. Kaum haben wir es in der Hand, steht der Verkäufer neben uns, reißt es uns fast aus derselben und nimmt uns mit an die Kasse. Mit Pesetenzeichen in den Augen läßt er eine andere Kundin stehen, die ihn etwas fragen will, kassiert und macht sogar für uns das Eis auf! So etwas haben wir auch noch nicht erlebt! Erst dieser geldgierige Blick, und dann dieser Service, auf den wir aber gerne verzichtet hätten, denn wir packen unser Eis doch lieber selber aus…

Vall de BoquerWir flanieren ein wenig, hocken uns dann noch etwas auf eine Bank direkt am Wasser und beobachten die kleinen Fische, die ahnungslos von dem Treiben in der Welt in dem recht klaren Wasser ihre unbedeutenden Kreise ziehen. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort, vorbei an netten Restaurants und Bistros erreichen wir unser Auto wieder. Doch, hier kann man sich schon aufhalten, sind wir uns einig. Aber nun wollen wir unseren Masochismus noch etwas ausleben und die kleine Wanderung in das Boquer-Tal machen. Auch unsere wunden Füße (ich habe tatsächlich eine Riesenblase unter dem rechten Hacken!) halten uns nicht davon ab.

Wir fahren ein Stück aus dem Städtchen hinaus Richtung Norden und parken den Tigra direkt unterhalb des Boquer-Hofes, hinter dem der Weg beginnt. Ich schnappe mir wieder den großen Rucksack mit all den Leckerlis für unser Picknick, und los geht’s. Wir müssen durch einige Tore, bis wir hinter dem Hof wieder in freie Wildbahn geraten. An den ersten größeren Felsen, die man hier findet, sehen wir dann auch schon einige Kletterer, die hier herumhängen. Wir strumpeln weiter. Der Weg ist angenehm, vor allem nicht steinig. Wir kommen an einer Baumgruppe vorbei, unter der man schön picknicken können soll, aber wir wollen erst die Bucht und das Wasser sehen. Die Vegetation hier ist außerst karg und niedrig. Kleine Büsche prägen das Bild, und der Wind wird immer rauher. Auch hier springen zahlreiche Schafe und auch Ziegen durch die Gegend. Ständig hört man irgendwo Glocken klingeln. Auf der Suche nach irgendwelchen Knospen klettert eine Ziege sogar in einem Busch herum.

Etwa um zwei Uhr erhaschen wir den ersten Blick auf die Bucht. Wir sehen zwar den Strand noch nicht, aber der Hunger übermannt uns, und so hocken wir uns mitten im frischen Wind auf einen Felsen und speisen unser Baguette mit Käse. Es ist schon eine tolle Ecke hier, nur ziemlich zugig. Während des Essens ziehen wir vorsichtshalber unsere Pullover über. Als wir dann wieder aufbrechen, um den Weg fortzusetzen, ziehen wir auch noch die Jacken an; es ist doch überraschend kalt so mitten im Wind!

Leuchtturm am Cap Formentor

Nach etwa einer weiteren Viertelstunde Marsch erhaschenwir einen ersten Blick auf den Strand und das blaue Wasser davor. Er liegt etwa dreißig Meter unter uns, und irgend jemand treibt sich dort unten herum. Damit es nicht zu spät wird für eine Weiterfahrt zum Cap Formentor machen wir uns auf den Rückweg. Wir verlassen so langsam den windigen Teil der Bucht, und nach und nach entledigen wir uns wieder unserer Jacken und der Pullover. Ohne Wind ist es in der Sonne warm genug, da reicht das T-Shirt.

Kurz vor dem Hof fragt uns eine Frau, ob hier „der schöne Ausblick sei“! Da müsse sie noch etwa zwanzig Minuten laufen, antworten wir, und sie marschiert stöhnend weiter. Sollen die Leute doch zu Hause bleiben, wenn ihnen das schon zuviel ist!

Mit unserem vollgetankten Flitzer geht es nun wieder die Küste hinauf Richtung Cap. Am ersten Aussichtspunkt rauschen wir nun so vorbei; es ist tatsächlich nicht mehr so viel los wie am Mittag. Die Straße windet sich durch die Landschaft, und an einem weiteren Haltepunkt erhaschen wir einen ersten schönen Blick auf den Leuchtturm in der Ferne. Weiter geht es an der Straße zum Playa Formentor vorbei durch einen Wald, und schließlich erreichen wir den Leuchtturm auf dem Cap Formentor. Hier ist nicht viel Platz, aber eine Parklücke ist für uns noch frei. Busse scheinen jedoch nicht bis hierhin zu fahren – die haben keine Wendemöglichkeit!

Der Blick in Richtung Westen ist etwas enttäuschend; die Sonne steht genau dort, und man blickt durch eine Art Dunst die Küste entlang. Im Leuchtturm befindet sich ein kleiner Kiosk, und ich gönne mir ein Eis. Leider kommt man nicht auf die andere Seite des Turmes, um dort in die Tiefe und über das Meer hinweg schauen zu können. Ein Kleinbus kommt und wendet mühsam auf dem kleinen Parkplatz. Offensichtlich ein Shuttle-Bus; die großen Busse parken auf einem großen Platz Nahe der Straße zur Playa Formentor.

Hotel FormentorDa wir hier nun genug gesehen haben, setzen wir uns wieder in unser Fahrzeug und fahren die Strecke zurück bis zu jener Abzweigung zum Strand. Wir parken den Wagen direkt an der Mündung der Straße, die nur für Anlieger freigegeben ist, und müssen einige hundert Meter laufen, bis wir unsere beschuhten Füße in das Mittelmeerwasser halten können. Wir gönnen uns einen kleinen Strandspaziergang, während der große Licht- und Wärmespender in unserem Rücken so langsam untergeht. Irgendwo an dem Hang, der zum Strand hinunterführt, liegt das berühmte Hotel Formentor, das im zweiten Weltkrieg so viele Rebellen und Verschwörer beherbergt hat. Hinter den vielen Bäumen ist es kaum zu erkennen. Als wir unseren Wagen wieder erreichen, springt gerade eine spanische Familie aus ihrem Auto, und der Mann fragt uns irgendwas. Es scheint was mit dem Weg zum Strand zu tun zu haben. Als ich ihm mit einem „no lo comprendo“ klarmachen will, dass ich ihn nicht verstehe, zeigt er auf den Kinderwagen und wiederholt seine Frage mit dem Zusatz „Grande – pequeño?“. Ah, denke ich, er will wissen, ob der Weg breit genug ist für den Kinderwagen, und antworte ihm: „Si, grande“. Aber da schaut er seine Frau an, zuckt mit den Schultern, und die Familie dackelt los. Hm, denke ich, vielleicht meinte er auch die Entfernung zum Strand…

Egal, wir machen uns auf den Rückweg Richtung Abendessen. Eine Stunde und 20 Minuten brauchen wir dafür. Um 19 Uhr erreichen wir unser Hotel wieder, und dieses mal bin ich schon fast so die Kurven heruntergesaust wie ein echter Mallorquiner. Der Tigra ist gar nicht schlecht…

Anstrengende Wanderung von Lluc nach Pollenca

Auch heute gesellen wir uns wieder zu den Frühaufstehern. Um 7 Uhr springen wir aus unseren Betten und sind bereits um 9 Uhr 15 auf dem Weg nach Lluc, wo wir zunächst das berühmte Kloster mit der noch berühmteren „Schwarzen Madonna“ besichtigen wollen, um dann anschließend eine „Mörderwanderung“ von 15 Kilometern Länge nach Pollenca zu unternehmen.

Santuari de LlucNach der üblichen Kurverei durch die Serra de Tramuntana erreichen wir das Monastir de Lluc um kurz vor 10 Uhr. Es ist noch nicht viel los hier; nur einige wenige Autos und zwei Schafe – eine Mutter mit ihrem Lamm – treiben sich auf dem großen Parkplatz herum. So gönnen wir uns denn auch den Luxus, auf einem Busstellplatz zu parken. Mit den beiden Schafen im Nacken machen wir uns auf den kurzen Weg zum Kloster, vorbei an dem kleinen Restaurant, das um diese Uhrzeit schon geöffnet hat, durch das große Eingangstor an den niedrigen Gebäuden vorbei. Irgendwie sieht alles gar nicht wie ein Kloster aus, zumindest nicht so, wie wir es erwartet hätten. Wahrscheinlich haben wir noch die Klöster im Gedächtnis, die wir in Portugal gesehen haben…

Pere Joan Santuari de LlucWir verlassen den Innenhof bald wieder und überlegen, ob wir zu dem Kreuz auf dem Hügel hinaufsteigen sollen, der sich hinter dem Kloster erhebt. Aber da wir ja gleich noch zu unserer Wandertour aufbrechen und uns nicht jetzt schon verausgaben wollen, lassen wir das lieber. Stattdessen schreiten wir durch einen Seiteneingang in einen zweiten Innenhof, auf dem sich das Denkmal eines der früheren Äbte befindet. Von hier aus gelangen wir in die Kapelle, in dessen hinterem Teil sich die Schwarze Madonna befindet – gut geschützt hinter dickem Glas. Zugegebenermaßen sieht sie sehr interessant aus, obwohl nicht unbedingt schwarz. Als zwei ältere deutsche Touristenpaare ziemlich lautstark in den Hinterraum der Kapelle eindringen, mache ich mich aus dem Staub und suche Birgit, die neben dem Eingang der Kapelle per Kopfhörer den Erläuterungen einer Geisterstimme zuhört. Wir lösen uns aus dieser Umgebung, kaufen in dem kleinen – sehr kleinen! – Laden, der sich in dem angrenzenden Gebäude befindet, noch Brot und Käse als Wegzehrung ein, und machen uns wieder auf den Weg. Gerade rechtzeitig, denn nun treffen die ersten Reisebusse ein.

Um zehn vor 11 Uhr erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung: einen Picknickplatz, der übersät ist mit Müll und Dreck. Wir stellen den Wagen neben der Einfahrt ab, packen den großen Rucksack und unsere Jacken und marschieren los, das Buch mit der Wegbeschreibung in der Hand. Das erste Stück ist recht anstrengend, es geht ganz schön bergauf, und wir geraten ein wenig in’s Schnaufen. Aber das schreckt uns ja nicht ab, sondern spornt uns an. Kurz darauf wird der Weg sehr steinig, verläuft aber eben. Besonders gut laufen kann man auf dieser Schotterpiste jedoch nicht. Ständig muß man auf den Weg schauen, damit sich die Füße nicht zwischen den dicken Kieseln verheddern und man unsanft hinstolpert…

Laut Tourbeschreibung liegen wir gut in der Zeit, ja, wir sind sogar eine halbe Stunde schneller. Nein, es geht uns nicht darum, den Weg möglichst schnell zu absolvieren, es interessiert mich nur, ob die Zeitangaben für uns Normalsterbliche realistisch sind. Und sie sind es, müssen wir mal wieder feststellen. Es ist in der Hinsicht beruhigend, als dass man weiß, dass man sich doch nach diesen Angaben richten kann.

Nach etwa einer Stunde geht es ständig bergab. Wir durchwandern einen Olivenhain und machen auf einer niedrigen Mauer erst einmal ein Stärkungspäuschen. Das Baguette wird gebrochen, der Käse dieses mal nicht geschnitten, sondern auf das Brot geschmiert, und das Wasser in die trockenen Kehlen gegossen. Ja, so läßt es sich aushalten. Besonders, wenn das Wetter mal wieder so schön mild ist, einige Vögel zwitschern und man ganz alleine auf der Welt zu sein scheint. Okay, letzteres muß echt nicht sein, nur manchmal…

Nach einer halben Stunde machen wir uns wieder auf die Sohlen und den Weg und gelangen an ein geschlossenes Tor. Es verlangt ein wenig Nachdenken, um es öffnen zu können, aber wir schaffen es doch. Weiter geht es auf oft gefährlich steinigem Pfad ständig bergab, und bald überholt uns ein wagemutiger Mountainbiker.

Irgendwann erreichen wir die ersten einsamen Häuser, die verloren am Berg inmitten eines netten Gartens stehen und vielleicht sogar irgendwelchen Prominenten gehören?! Endlich wird der Weg wieder eben, und auf Asphalt marschieren wir bis zur C710, wo wir versuchen wollen, den Bus zurück nach Lluc zu erwischen. Wir kommen an Schafweiden vorbei, beobachten während einer Orangenpause, wie ein Bauer eine Schafmutter mit ihrem LammC710 Wandern wieder eintreibt, und stellen so nach und nach fest, dass dieses Asphaltlaufen auch nicht das Wahre ist. So langsam melden sich unsere Füße. Als wir schließlich gegen halb drei die Straße nach Lluc erreichen, ist es viel zu früh für den Bus, der erst nach 16 Uhr hier vorbeikommen soll. Außerdem sehen wir hier auch gar keine Haltestelle! Was nun?

Trampen wollen wir nicht, und um nicht fast zwei Stunden hier am Straßenrand hocken zu müssen, raffen wir uns noch einmal auf zu einem Gewaltmarsch nach Pollenca. Bis dahin sind es noch fünf Kilometer auf der Straße, aber das schaffen wir schon! In Pollenca erwischen wir entweder den Bus, oder wir nehmen uns ein Taxi zurück zu unserem Wagen.

Die Strecke ist schrecklich. Zum einen kommt man sich äußerst merkwürdig vor, wenn die Autos und Radler an einem vorbeijagen. Besonders die, die uns entgegenkommen, scheinen uns wie Außerirdische zu betrachten. Zum anderen zieht sich die Straße endlos hin. Kaum haben wir eine Kurve erreicht, schauen wir schon wieder auf eine scheinbar kilometerlange Gerade bis zur nächsten Kurve, und wir müssen uns mit einem „Wir haben es ja bald geschafft!“ bei Laune halten. Anhand der Kilometersteine am Wegesrand können wir gut abschätzen, wie weit wir noch zu laufen haben. Gut einen Kilometer vor Pollenca sind wir nicht mehr die einzigen, die per pedes die Straße entlang laufen. Ein mit Körben bewaffnetes Mütterchen trippelt vor uns her. Sie hat auch ein beachtliches Tempo drauf, aber Birgit, die ganz schön Pes macht, überholt sie bald, und ich ziehe kurz darauf nach. Ich spüre, dass uns dieser letzte Abschnitt für heute den Rest gibt. Meine Hacken brennen richtig, bestimmt habe ich eine dicke Blase (also, unter dem Hacken, meine ich)…

Pollenca HotelEndlich erreichen wir den Ortseingang, marschieren tapfer durch alte, enge Gassen und haben keine Ahnung, wo denn hier ein Bus abfahren könnte, geschweige denn, wie er durch diese Straßen kommen sollte. Ob wir hier falsch sind, und ob wir hier jemals wieder weg kommen? Damit wir hier nicht weiter ziellos herumlaufen, spreche ich mit meinem rudimentären Spanisch eine Frau mittleren Alters an und kauderwelsche mir die Frage zurecht, wo denn hier wohl die Busstation sei. Ich verstehe ihre Antwort überhaupt nicht (das hätte mir eigentlich klar sein sollen), aber die Richtung, in die sie zeigt, reicht uns fürs erste. Wir erreichen einen großen Platz mit Cafés, die unsere zugestaubten durstigen Kehlen sofort ansprechen. Aber wir wollen den Bus finden, und mutig frage ich hier noch einmal den Kellner, der uns um die nächste Straßenecke schickt. Und tatsächlich: Hier stehen in einer großen, alten Garage einige Busse, und ein Fahrplan hängt an der Wand. Leider werden wir aus dem überhaupt nicht schlau.

Einer der Busse ist abfahrbereit, der Fahrer und einige Fahrgäste sitzen bereits drin. Ich versuche noch einmal mein Glück, aber von dem Genuschel des Fahrers verstehe ich kein einziges Wort. Wir geben es auf und einigen uns darauf, ein Taxi zu nehmen. Bei einem der Cafés haben wir nämlich bereits eines gesehen. Bevor wir jedoch an Ort und Stelle eingehen, genehmigen wir uns noch einen Orangensaft. Erst dann stapfen wir mit schmerzenden Füßen zu dem Gefährt. Es ist kein Fahrer drin, stellen wir irritiert fest. Ob der schon Feierabend macht? Aber nein, da kommt er schon. 3200 Peseten antwortet er auf meine Frage, wie teuer die Fahrt nach Lluc sei. In unserer Stimmung ist uns das dann auch egal. Wir nicken, und los geht’s. Die Fahrt ist angenehm, wir können noch ein wenig die Landschaft bewundern, die wir ja noch gar nicht gesehen haben, und sind in zwanzig Minuten zurück bei unserem Tigra. Freundlich verabschiedet sich unser Fahrer, und unsere Füße sind froh, dass sie erst mal nichts mehr tun müssen.

Coves de CampanetWir beschließen, uns noch die Coves de Campanet anzuschauen und düsen nach einer kurzen Pause weiter. Etwa Viertel vor sechs Uhr erreichen wir die Tropfsteinhöhlen. Ein recht modernes Besucherzentrum hat man hier errichtet, mit Restaurant, sauberen Toiletten und Souvenirladen. Auf dem Parkplatz stehen nur zwei Autos, und die Führung durch die Höhlen ist für uns eine Privatdarbietung, denn wir sind die einzigen Gäste im Augenblick. Der Rundgang durch die Grotten mit ihren interessanten Figuren und den faszinierenden Spaghetti-Stalagtiten gerät dadurch vielleicht etwas kürzer als sonst, aber so ist das ganze etwas persönlicher. Nur unsere Führerin hat etwas Angst, dass sie Ärger mit ihrer Chefin bekommt, wenn sie so früh wieder da ist…

Die ist sowieso putzig, diese kleine Frau. Fragt uns ständig dasselbe, etwa, ob wir ihr Deutsch verstehen würden, ob wir das erste mal hier seien, wo wir denn herkämen. Und dass sie immer nach Mainz fährt, wenn sie in Deutschland ist, und so fort.

Wirklich schön, diese Höhlen, aber die Luft hier unten ist auch unheimlich schwül und stickig. Irgendwie scheint unsere Führerin auch schon etwas abbekommen zu haben; sieht etwas kränklich aus, die Gute…

Uns genügt diese Vorstellung, und wir kehren zurück nach Soller, genießen das dreigängige Abendessen, den Wein und das Geplapper unserer Tischnachbarn, bevor wir dann müde in die Kissen fallen.

Ausflug mit der Bahn nach Palma

Heute haben wir es echt vor. Um 7 Uhr bereits stehen wir auf, um 8 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, packen nach der Stärkung unsere Jacken und Birgits Rucksack zusammen und springen in den Wagen. Wir wollen nämlich heute mit dem „Roten Blitz“, dem berühmten, nostalgischen Bummelzug, nach Palma. Und damit sich der Ausflug auch lohnt, werden wir schon den ersten Zug um 9 Uhr 17 nehmen.

Um 20 vor 9 sind wir in Soller – nur wo sollen wir parken? Irgendwie geraten wir in eine Einbahnstraße – natürlich in falscher Richtung. Ich drehe mühevoll, und einige Minuten später fahren wir direkt auf die Placa de America zu. Erschreckt stellen wir fest, dass wir uns schon wieder auf einer Einbahnstraße befinden – und erneut Geisterfahrer spielen. Langsam werde ich bockig, drehe noch einmal und parke direkt am Straßenrand. Dann gehen wir halt von hier aus quer durch die Stadt zum Bahnhof – so weit kann das ja gar nicht sein!

StraßenbahnWir schlagen uns durch die zum Teil engen Gassen, auf denen schon Müll weggeräumt und pressluftgehämmert wird, und erreichen ziemlich genau um 9 Uhr den Bahnhof. Schnell zwei Fahrkarten geholt, und schon sitzen wir in einem der hinteren Waggons, die fast nur aus Holz und Eisen zu bestehen scheinen. Alleine die Sitze sind schon eine Erfahrung für sich. Die Rückenlehnen können nach vorne oder hinten geklappt werden, so dass man immer in Fahrtrichtung sitzen kann! Da hat sich mal einer was einfallen lassen.

Pünktlich geht es los, und die Lok zieht gemächlich durch einige Obstgärten und an wunderschönen Häusern vorbei – einige davon werden im Reiseführer sogar als Schlößchen bezeichnet. Die Schienen winden sich langsam an den Berghängen in die Höhe, wir durchqueren einige Tunnels, erhaschen einen letzten Blick über das morgendliche, noch fast schlafende Soller, über dem ein stetiger Dunst zu hängen scheint, und erreichen bald die Südseite des Gebirges. Hier blicken wir überrascht zum Himmel hinauf, wo zum Teil sehr dunkle Wolken nicht viele Sonnenstrahlen hindurchlassen.

Der Zug rüttelt sich langsam nach Palma hinein, und wir erlangen einen weiteren Eindruck von der Inselhauptstadt, der uns nicht sonderlich begeistert. Die Häuser, an denen wir vorbeihuschen, sind zum Teil äußerst baufällig und dreckig. Alles wirkt irgendwie immer ein wenig verkommen und ungepflegt.

Kathedrale La Seu von PalmaUm zehn nach zehn erreichen wir den Sackbahnhof, in dem nur diese eine Bahnlinie endet. Wir orientieren uns auf dem Stadtplan und folgen dann dem vorgeschlagenen Rundweg durch die Innenstadt, um das wichtigste kennenzulernen. Wir schlendern dabei durch einige ganz nette Einkaufspassagen und Fußgängerzonen, verkneifen uns einen Blick in die Kathedrale La Seu von Palma, und bummeln über die vielgerühmten Ramblas, die uns aber enttäuschen. Sicher, wir sehen einige schöne Ecken, aber berauschend finden wir es hier auf den ersten Blick nicht.

Mittagessen gönnen wir uns in einem kleinen Bistro gegenüber des berühmten Gran Hotel. Ich kämpfe mit einem „spanischen“ Sandwich, während Birgit genüßlich ihre Pizza verzehrt. Zum Ausgleich versorgen wir uns dann in der benachbarten Konditorei noch mit einigen Kuchenstückchen und suchen uns einen ruhigen Platz im Park nahe der Passeig de la Rambla. Hier lassen wir ein wenig die Mittagssonne auf den Bauch scheinen (jeder auf seinen!) und beschließen dann, den nächsten Zug um 15 Uhr 15 zurück nach Soller zu nehmen.

Wir flanieren noch ein wenig durch die Straßenschluchten und stellen erstaunt fest, dass fast alle Läden nun geschlossen sind. Machen die alle Siesta? Gut, es ist auch heute mal wieder herrlich warm, aber dass die alle schließen ist doch wohl etwas übertrieben, oder?! Es ist fast nichts mehr los in der Innenstadt, nur einige Cafés bewirten noch Gäste.

Uns reicht es. Nach einem kurzen Bummel durch ein etwas größeres Kaufhaus marschieren wir zum Bahnhof zurück und sind eine Stunde später wieder in Soller.

Serra de TramuntanaHier gönnen wir uns erst einmal ein großes Eis, das wir in Palma nicht mehr gekriegt haben. Ein bißchen wollen wir noch sehen von der Gegend hier, und so setzen wir uns wieder in unser hübsches, sportliches Auto und düsen los Richtung Orient. Nein, nein, gemeint ist ein Tal auf der anderen Seite der Serra de Tramuntana, in dem der Wein angebaut und gekeltert wird, den wir jeden Abend trinken.

Zum ersten mal durchqueren wir mit dem Auto den Tunnel und müssen auch die entsprechende Gebühr löhnen. Irgendwie vergucke ich mich auf der Preistafel und halte dem Menschen im Kassiererhäuschen 120 Peseten hin. Unbeeindruckt zeigt dieser auf die Tafel, und ich erkenne meinen Irrtum: Ich habe unser Gefährt offensichtlich für ein Fahrrad gehalten. Da der Kassierer das anscheinend nicht durchgehen läßt, kostet uns der Spaß stattdessen 540 Peseten!

AlaróDie Straße, die ins Orient-Tal führt, ist eng und kurvenreich, und wir sind froh, dass uns hier kein Bus entgegenkommt, falls hier überhaupt einer durchkommt, was wir stark bezweifeln. Schnell haben wir das Handvoll-Häuser-Dorf durchquert und fahren einfach immer weiter. Nach Alaró führt uns Birgit, und hier wird es gnadenlos eng während der kurzen Fahrt durch diese kleine Stadt. Hinzu kommt offensichtlich Parkplatznot, sodaß die Straßen ziemlich zugeparkt sind und man schon zusehen muß, dass man weiterkommt. Ja, das ist schon alles sehr aufregend…

Wir beschließen, nun so langsam zurückzufahren, und düsen weiter durch die Landschaft, etwa über Inca, einer echt häßlichen, größeren Stadt. Von hier aus sausen wir zum ersten mal über eine Schnellstraße zurück Richtung Soller. Dieses mal nehmen wir nicht den Tunnel, sondern die alte Paßstraße über die Berge. Die Windungen und Kurven scheinen gar nicht mehr aufhören zu wollen, und ich mache drei Kreuze, als wir auf der anderen Seite des Berges endlich wieder die Straße erreichen! Nun freuen wir uns auf ein gutes Abendessen und einen geruhsamen restlichen Abend.

Von Deia nach Soller auf einem alten Hirtenpfad

Heute haben wir etwas verschlafen. Erst um zwanzig nach acht wachen wir auf, schaffen es aber noch, unser Frühstück vor zehn Uhr zu beenden. Wir haben uns für heute eine kurze und einfache Wanderung ausgeguckt, die von dem Nachbardörfchen Deia zurück nach Soller führt, oberhalb der Küste auf alten Bauernpfaden.

So fahren wir dann mit unserem schmucken, dunkelblauen Tigra bis zur Finca Ca’n Puigserver, wo wir unser Gefährt stehen lassen und ich mir den Rucksack an den Nacken hänge. Wir haben natürlich mal wieder Riesenglück mit dem Wetter, und gleich auf dem anstrengenden Anfangsstück perlt das Wasser auf meiner Stirn. Aber dann geht es in den Wald, der Weg wird ebener und angenehmer. Irgendwo hinter dem Mini-Dorf Son Coll finden wir eine nette Stelle zum Picknicken. Wir packen das heute morgen in Puerto Soller gekaufte Baguette und den Käse aus und lassen es uns schmecken. Eine Orange zum Nachtisch, und uns geht es wieder mal gut.

Deia TrekAn einigen Stellen ist die Wegbeschreibung nicht eindeutig, und Birgit und ich sind uns nicht so ganz einig, wo es weitergeht. Aber dennoch erreichen wir bald den steinigen Pfad, der nach Soller hinunter führt. Dieses letzte Stück ist nicht das angenehmste, man geht hier wie auf rohen Eiern. Nach etwa 2 ¾ Stunden erreichen wir die Bushaltestelle an der Placa de America. Erst um 14 Uhr 30 kommt der nächste Bus, der uns zurück nach Deia bringen wird. Die verbleibende Zeit nutzen wir, um uns im benachbarten Café einen Orangensaft zu gönnen.

Fast pünktlich kommt der Bus, und wir sind längst nicht die einzigen, die mit ihm fahren wollen. Einer der Fahrgäste vor uns möchte mit einem großen Schein bezahlen, aber da meint der Busfahrer in scherzhaftem Ton: „Ich Bus, nix Bank.“ Ganz hinten finden wir noch Platz in dem sehr gut gefüllten Bus, der sich anschließend die reichlich engen Kurven Richtung Deia hochquält. Zum Teil muß der Fahrer dabei so weit ausholen, dass er überhaupt nicht sieht, ob Gegenverkehr kommt. Er hupt dann einfach wild drauflos, um vor sich und seinem Riesengefährt zu warnen.

Wir verlassen den Bus in Deia und schauen uns etwas in diesem wirklich sehr hübschen Örtchen um. Überall grünt und blüht es, und außerhalb des Ortes liegen viele kleine, malerische Anwesen verstreut. Leider müssen wir etwa eineinhalb Kilometer auf der Landstraße zurücklaufen, um zu unserem Auto zu gelangen. Aber die sind schnell zurückgelegt, und wir fahren noch ein Stückchen Richtung Süden die Küstenstraße entlang. Die Aussicht über die wilde Küstenlandschaft der Insel genießend, fahren wir einfach eine Zeitlang weiter, bis wir bei dem Torre del Verger den Sonnenuntergang beobachten. Ich klettere sogar durch die enge Luke auf den kleinen Turm – nur „weil er da ist“ – und fotografiere die im Meeresdunst verschwindende Sonne.

Es ist schon längst wieder dunkel, als wir noch rechtzeitig zum Abendessen im Hotel eintreffen. Das Menü für den Abend wird jeweils morgens ausgehängt, so dass man schon genau weiß, was einen erwartet, und entscheiden kann, ob man nicht vielleicht doch auswärts essen geht. Aber das Essen im Hotel ist ja wirklich gut – einfach, aber gut.

Anschließend hilft der Wein etwas nach, als der anstrengende Tag seinen Tribut fordert…

Geburtstag feiern auf Mallorca

Es ist schrecklich, jede Nacht dasselbe: Immer wenn ich mich umdrehe in meinem Bett, werde ich wach, schlafe dann aber sofort wieder ein. Diese Bettgestelle sind echt gewöhnungsbedürftig.

Etwas anderes fällt mir noch ein. Da war heute doch was…?!

Uah, ja sicher, es ist soweit: Heute bin ich dreißig! Der Schock überkommt mich wie ein kalter Hagelschauer und läßt mich schwer auf das Kopfkissen zurückfallen. Erste Depressionen überfallen mich, und meine Gedankenwelt wird düster… Nein, nein, reingelegt, so schlimm ist es ja auch nicht! Stattdessen gratuliert mir Birgit lieb und meint, ich solle die Augen noch mal schließen. Das tue ich natürlich gerne und harre der Dinge, die da kommen mögen… Als ich dann wieder Licht in meine Pupillen lassen darf, erwartet mich eine süße Überraschung: Birgit präsentiert mir ein Yes-Torty mit Kerze – woher sie diese Idee nur hat…? Dazu gibt es für mich ein Diddl-Kartenspiel, das wir sofort liebevoll „Kaktus-Jack“ nennen. Damit kann ich mich wieder jung fühlen!

Und was sagt Birgit dazu, dass ich jetzt 30 bin? Ich wirke erwachsen, meint sie nur. Das will ich aber doch gar nicht… Nun ja, die Welt dreht sich immer noch, und die Dusche hat Probleme, meinen alten Körper mit warmem Wasser zu erfreuen.

Heute morgen um 10 Uhr sollen wir unseren Mietwagen erhalten. Nach dem Frühstück – ich habe festgestellt, dass der Kaffee mit Milch aus der Kanne genial schmeckt, nicht so wie der Automaten-Milchkaffee gestern – warten wir ungeduldig in der Halle des Hotels. Es wird elf Uhr, und die Hotelbesitzerin macht uns Mut mit ihrer Mitteilung, dass die Autolieferungen aus Palma immer so einige Zeit brauchen. Netterweise bietet sie uns an, beim Vermieter anzurufen, um nach dem Verbleib des Wagens zu fragen. Sie erfährt, dass der Wagen um 12 Uhr hier sein soll. Na, dann Mahlzeit. Uns bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Indes beginne ich, mein Buch über den West Highland Way in Schottland durchzuarbeiten, den ich im Juni wandern möchte.

12 Uhr ist längst vorbei, als ich mich dann auch bequeme, beim Vermieter anzurufen. Ich solle ihnen noch eine Viertelstunde geben, was ich dann großzügigerweise auch tue. Ich bin ja gar nicht so. Und außerdem nun 30. Da muß man schon auf seine Gesundheit und die Nerven achten.

Draußen ist wieder einmal phantastisches Wetter, und ich gehe hinaus, um den Blick über die ruhige Bucht von Puerto Soller zu werfen. Kaum zwei Minuten später ruft Birgit mich wieder hinein – unser Wagen sei da. Ich stutze – ich habe doch nur einen Opel Tigra kommen sehen. Wie sich herausstellt, ist dies aber unser Mietwagen; ein Corsa war nicht frei.

Der Mensch, der ihn uns gebracht hat, ist genau das, was ich mir unter einem typischen Spanier vorstellen würde. Braungebrannt, mit etwas Bauch, reagiert er überhaupt nicht auf unsere Anspielungen, dass er sich ja nun etwas verspätet hat. Wir klären die Formalitäten, dann werfen wir unsere vorbereiteten Rucksäcke und Jacken in den Wagen und fahren los.

FornalutxBirgit lenkt den Wagen sicher über die ungewohnt kurvenreiche Straße nach Fornalutx, dem preisgekrönten „schönsten Dorf Spaniens“. Hier ist die ganze Straße, übrigens die einzige, die durch den Ort führt, links und rechts zugeparkt, und wir haben Mühe, um die engen Kurven herumzukommen und bei plötzlichem Gegenverkehr nicht an einer Hausecke hängenzubleiben. Ja, das ist schon ein etwas anderes Autofahren als bei uns in Deutschland. Wir finden keinen Parkplatz und sind blitzschnell wieder aus dem Ort heraus. Birgit meint dann, das sei nichts für sie, und ich solle doch fahren.

Nach dem Plätzetausch kehren wir um und fahren dann die C710 weiter bis zum Mirador de Ses Barques, einem beliebten Ausflugsziel und Aussichtspunkt mit Blick über die Bucht und den Hafen von Soller. Von hier kann man eine Wanderung unternehmen, die bis nach Sa Calobra führt. Diese wollen wir ein Stück weit gehen, aber erst stärken wir uns in dem Restaurant, das hier ganz unscheinbar unter der Aussichtsplattform liegt.

Wir treten ein und finden uns inmitten einer Riesenmenge Spanier wieder. Die halbe Insel scheint auf einem Familienausflug hier eingekehrt zu sein. Es ist unheimlich laut; die Mallorquiner scheinen sich nicht zu unterhalten, sondern sich anzuschreien.

Fornalutx AussichtWir finden Platz an dem anscheinend einzigen noch freien Tisch, und ich genieße eine hiesige Spezialität: Schweinelende mit Kohl – wirklich ganz ausgezeichnet. Birgit ist mit ihrem Steak auch recht zufrieden. Mandelkuchen rundet das Geburtstagsmahl ab, und derart gestärkt machen wir uns auf den Weg und folgen dem Wegweiser Richtung Cala Tuent. Anfangs haben wir noch befürchtet, wir könnten trotz guter Beschreibung aus dem Reiseführer den Weg verfehlen, aber wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Wir passieren einige hölzerne Tore, marschieren über steinige Wege in ein reich mit Olivenhainen bewachsenes Tal hinter einem alten Gehöft. Hier machen wir Pause abseits des Weges und schälen uns einige der Orangen, die wir gestern auf dem Markt in Soller erstanden haben. Mmh, sind die lecker. Die duften schon ganz anders als die Früchte, die man in Deutschland kaufen kann!

Cala TuentDer Weg führt von hier aus tief in das Tal hinunter, und wir beschließen, an diesem Punkt lieber kehrt zu machen. Wir wollen noch ein Stückchen weiter fahren und uns die Bucht von Sa Calobra anschauen, wenn wir sie schon nicht zu Fuß erreichen werden. Dazu wäre es heute eh’ zu spät.

Um kurz vor fünf fahren wir weiter auf der Straße Richtung Norden, winden uns die engen Kurven hoch, durchqueren einen Tunnel und passieren bald die beiden Stauseen Cúber und Gorg Blau. Beim Anblick des letzteren wird einem sofort klar, wo er seinen Namen her hat. Hinter einem weiteren Tunnel biegen wir an einem Kiosk links ab auf die Straße nach Sa Calobra. Hier erwarten uns 12 Kilometer enge Serpentinen, die man laut Reiseführer am Vormittag meiden sollte, wenn die vielen Reisebusse unterwegs sind.

Nun, es ist wirklich eng hier, und wir müssen noch einigen Bussen Platz machen, die uns entgegenkommen. Aber wirklich dramatisch wird es eigentlich nie. Die Strecke zieht sich hin, und endlich erreichen wir den fast leeren Parkplatz oberhalb der Bucht von Sa Calobra. Das einzige, was wir hier sehen, sind einige wenige Touristen, ein Hotel und ein Restaurant. Wir spazieren an der Promenade entlang, die hoch über der Wasseroberfläche an der Küste entlangführt, durchqueren zwei mannshohe, dunkle und feuchte Tunnel und erreichen den eigentlichen Badestrand von Sa Calobra. Hier beginnt – oder endet – einer der schwierigsten Wanderwege auf Mallorca. Vielleicht gehen wir ihn ein anderes mal…

Die Bucht liegt schon längst im Schatten, und es beginnt zu dämmern. Da hier doch nichts mehr los ist, machen wir uns auf den Rückweg, um rechtzeitig zum Abendessen wieder im Hotel zu sein. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, im Dunkeln die unbekannten Kurven hinauf und hinunter zu fahren; man denkt stets, man fährt viel zu schnell. Aber wir kommen natürlich heil an und lassen uns beim Abendessen wieder von unseren Tischnachbarn mit Erzählungen über diverse Fluggesellschaften berieseln. Ein recht guter Rotwein aus dem nahen Orient-Tal – der Vino Orient – tut sein übriges. Mit einer gewissen Rotweinschwere spielen wir noch eine Runde Kaktus-Jack und fallen dann in die Kissen.

Die erste Wanderung auf dem Cami d’Es Barranc

Aah, heute ist mein letzter Tag als junger Spund – morgen ist es vorbei mit der Zwei vorne beim Lebensalter… Ich versuche, nicht daran zu denken, und wir begeben uns zum ersten Frühstück auf Mallorca. Das Buffet ist einfach, aber okay – bis auf den Käse. Gut, die Marmelade ist auch nicht das Wahre. Aber sonst…

Den Kaffee ziehen wir uns aus einer urtümlichen, riesenhaften Maschine, die einen enormen Geräuschpegel aufweist. Birgit zapft für mich einen Kaffee mit Milch. Nach dem ersten Schluck beschließe ich, mein Koffein die nächsten neun Tage schwarz zu mir zu nehmen…

Um 9 Uhr 30 erreichen wir die Haltestelle der berühmten Tram, die Puerto Soller mit dem eigentlichen Soller verbindet. Aber nach einem Blick auf den Fahrplan stellen wir brüskiert fest, dass die nächste Bahn erst in einer Stunde Richtung Soller fährt. Solange wollen wir hier aber nicht im frischen Morgenwind stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt.

Die Strecke ist gar nicht so weit. Wir kommen vorbei an kleinen Häuschen, in deren Gärten noch die letzten Mandelbäume blühen. Orangen können wir bewundern und am Ortseingang von Soller eine hübsche Finca mit roten Fensterläden, die sehr einladend wirkt. Die Tramschienen verfolgend, gelangen wir bei tollem Wetter durch einige hübsche Gassen und kommen an grünen Gärten vorbei, in denen dicke Zitronen an den Bäumen hängen, mitten hinein in das vormittäglich ruhige Soller. Ein scheinbar herrenloser Hund verfolgt uns, seitdem Birgit seinem fragenden Blick mit einem leichtsinnigen „Na, komm!“ begegnete. Aber irgendwann hängen wir ihn dann doch ab und erreichen einen äußerst belebten Platz, auf dem ein Markt stattfindet. Das wichtigste Handelsgut scheinen hier Schuhe zu sein. Die eigentliche Markthalle ist gleich nebenan. Wir treten ein und schauen uns zwischen den Obst- und Gemüseständen um. Schließlich erstehen wir einige Pflaumen und Orangen. In einem Seitengang der Halle wird nackter, toter Fisch verkauft, den ich auf Birgits Drängen hin dann auch noch fotografiere… Jetzt aber raus.

Ein Stückchen weiter erreichen wir den zentralen Platz der Stadt – die Placa de Sa Constitucio. Hier befindet sich das Rathaus mit Polizei und Touristen-Information, die Kathedrale sowie zahlreiche Cafés und Läden. Nach einem kurzen Besuch der Kirche gönnen wir uns einen „Naranja natural“ im Café Paris, bevor ich im Info-Büro bei der Nachfrage nach Informationen über Wandermöglichkeiten mit einem „Habla usted español?“ zunächst für Verwirrung sorge…

Für unsere erste kleine Wanderung rüsten wir uns mit Kuchen und Baguettes aus. Wir wollen den Cami d’Es Barranc entlangwandern, eine Empfehlung aus dem Wanderführer, den ich mir gekauft hatte, und so stiefeln wir los Richtung Biniaraix.

Cami d'Es Barranc WandernWir passieren mit gelben und orangefarbenen Früchten überhäufte Bäume in dicht bewachsenen Gärten, machen eine kurze Mittagspause zwecks Verzehr der mit Käse und Schinken fertig belegten Baguettes, und erreichen nach etwa einer Dreiviertelstunde die steinigen Stufen, die hinaufführen in das Herz des kleinen Dörfchens.

Nur etwa zwei- bis dreihundert Meter Fußmarsch brauchen wir, um das Örtchen zu durchqueren und am anderen Ende den Weg zu erreichen, der uns in die Berge des Hinterlandes von Soller führen soll. Wir stapfen vorbei an faulen Schafen und einem ausgetrockneten Bachbett, über im Augenblick nutzlosen Brücken, den alten Olivenbauernpfad hinauf. Der Weg besteht aus abertausenden Steinen, auf denen man nicht sehr bequem laufen kann. Rechts und links säumen Mauern aus ebensolchen Steinen den Weg, schattenspendende Olivenbäume laden zum Pausieren ein.

Cami d'Es Barranc PfadFür eine kurze Zeit nehmen wir diese Einladung an, dann packt mich die Wanderwut wieder, und ich marschiere weiter den Berg hinauf, während Birgit unter dem Olivenbaum in ihrem Buch schmökert. Einige Leute kommen mir entgegen, und die Sonne entlockt meiner Stirn die ersten Schweißtropfen. Der steinige Weg führt in Serpentinen den Hang hinauf, folgt dabei dem Bachlauf an alten Steinhütten vorbei. Olivenbauern haben hier gewohnt oder wohnen hier zum Teil sogar immer noch. Endlich höre ich Wassergurgeln; dort, wo der Pfad in den Berg hineinschneidet, führt der Bach noch Flüssigkeit. Eine ältere Dame wird den Weg hinuntergeführt, und wenige Minuten später zieht eine Horde Kinder an mir vorbei ins Tal. Vielleicht sollte ich jetzt doch umkehren. So lange möchte ich Birgit doch nicht alleine lassen… Ich kehre also um, überhole die alte Dame wieder und scheuche die kleinen Kinder wie bei einem Kleinkinderalmabtrieb vor mir her. Viertel vor fünf ist es, als ich wieder bei Birgit bin und wir gemeinsam den Weg zurück nach Soller antreten.

Mit der Tram fahren wir schließlich nach Puerto Soller zurück, genießen nach einer kurzen Regenerationspause das Abendessen mit unseren unterhaltsamen Tischnachbarn und spielen anschließend im Aufenthaltsraum „Siedler von Catan“. Kurz vor Antritt der Bettruhe bemerke ich, dass die „30″ schon leicht auf meiner Stirn zu sehen ist…

Ankunft auf Mallorca und auf nach Puerto Soller

Es hat ja bekanntlich alles seine Vor- und Nachteile. Aber um früh morgens um 3 Uhr 45 aufzustehen, müssen die Vorteile doch schon gewaltig sein. Eine bestialisch unchristliche Abflugzeit von 6 Uhr zwingt uns, zu dieser nachtschlafenden Zeit unsere Bettruhe abzubrechen und den Urlaub mit einem Kraftakt zu beginnen.

Immerhin – unser erster Tag auf Mallorca würde dadurch auch gleich ein nahezu ganzer sein. Dies vor Augen, quälen wir uns aus den Federn, raffen nach der üblichen Morgenwäsche und einer schnellen Tasse Kaffee die bereits am Vorabend gepackten Rucksäcke zusammen und warten auf das schon bestellte Taxi.

Düsseldorfer FlughafenWir haben den Vorabend-Check-In genutzt, um unsere Koffer abzugeben und uns schöne Sitzplätze zu beschaffen. Dabei haben wir sogar noch eine kleine Odyssee über den Düsseldorfer Flughafen gemacht. Irrtümlicherweise haben wir den Wagen viel zu früh geparkt. Zu „Abflug D“ mußten wir, parkten aber bereits bei „C“. Nachdem wir unsere Koffer ein wenig kreuz und quer über das Flughafengelände gezogen hatten, stellten wir fest, dass wir einen Shuttle-Bus nehmen mußten, um „D“ zu erreichen. Halb so wild, die fahren alle zehn Minuten und kosten nichts. So klappte das Einchecken dann doch noch recht gut. Wir waren froh, bereits am Abend vorher diese Erfahrung gemacht zu haben. Hätten wir uns heute am Abflugmorgen noch auf dem Flughafen verirrt, na dann Prost Mahlzeit…

Aber dafür gibt es ja Taxifahrer, die sich auskennen. Unser war für 4 Uhr 45 bestellt, steht aber bereits um kurz nach halb fünf vor dem Haus. Nach einer schnellen Fahrt befinden wir uns schon um kurz nach fünf Uhr in der neuen Wartehalle, mitten unter zahlreichen älteren Herr- und Damschaften, die dasselbe Ziel haben wie wir. Auch hier senken wir also den Altersdurchschnitt der Anwesenden erheblich. Genießen wir diesen Augenblick, denn die Biologie lehrt, dass das in einigen Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Mit dicken Augen im Gesicht und einem unverschämt teuren Becher Kaffee in der Hand warten wir auf die Aufforderung zum Abmarsch.

Wir starten pünktlich, und der Flug verläuft ereignislos. Es ist herrliches Wetter, und wir können eine wunderschöne watteartige Wolkenschicht bewundern, über die wir dahingleiten. Um 5 nach 8 landen wir dann in Palma. Bereits während der Landung verstehen wir, warum Mallorca auch die Insel der tausend Windmühlen genannt wird: Überall rings um den Flughafen erkennen wir die vorwiegend kleinen Mühlen, die ihre zum Teil halb verfallenen Flügel in den Wind halten – einige drehen sich sogar noch. Die meisten jedoch machen einen ziemlich verwahrlosten Eindruck.

Mallorca FlughafenEin Bus holt uns vom Flugzeug ab und schifft uns einige hundert Meter weiter bis fast direkt vor die Bänder, an denen wir unsere Koffer abholen können. Es ist sehr ruhig in dem Gebäude – die Stille wirkt fast schon unheimlich. Man merkt, dass noch Vorsaison ist. Die meisten der Mietwagenschalter sind noch geschlossen, der Boden ist fast geleckt sauber, und unser Gepäck erhalten wir auch recht schnell. Positiv überrascht sind wir auch darüber, dass hier keinerlei Paßkontrolle durchgeführt wird. Ja, hier gibt es nicht einmal einen Schalter, wo man so etwas machen könnte. Von dem Band aus geht man einfach an den Mietwagenhüttchen vorbei hinaus auf den großen Parkplatz vor dem Flughafengebäude. Das haben wir auch noch nicht erlebt.

Hier treffen wir eine Neckermann-Mitarbeiterin, die uns den Bus „A 38″ als Transportmittel nennt. Unter den großen Bussen, die direkt am Ausgang stehen, finden wir den aber nicht. Auf unsere Frage hin zeigt eine weitere Reisebegleiterin dann an das andere Ende des Parkplatzes, wo drei kleine Transporter wie Fremdkörper einsam auf Passagiere warten. Fast wirkt es so, als wollen die großen Jungs die Kleinen nicht in ihrer Mitte haben. Hier finden wir unseren „A 38″. Es ist aber nicht einer der beiden neuen Mercedes-Kleinbusse, sondern der schon etwas angegriffen wirkende Fiat, den wir besteigen dürfen. Unsere Koffer lädt der Fahrer als letzte ein; offensichtlich sind wir die ersten, deren Hotel angefahren wird. Der Kleinbus mit seinen zehn Plätzen ist dann auch voll besetzt, und unser Gepäck paßt nicht mehr in den schmalen Kofferraum. Stattdessen findet es Platz im noch schmaleren Gang des Transporters.

Auf der Fahrt zu unserem Hotel erhalten wir einen ersten Eindruck von Palma, das wir schnell hinter uns lassen, und von der Natur, deren liebste Farbe grün ist. Auf den ersten Blick erscheint uns die Hauptstadt der Insel trocken, staubig und dreckig, und links und rechts neben der Straße sehen wir Stellen, wo Mallorquiner alles mögliche verbrennen, sogar Autoreifen. Wir kommen an Olivengärten vorbei, an Mandelbäumen, von denen die meisten jedoch schon nicht mehr blühen, und durchqueren den neu gebauten, 3 Kilometer langen Tunnel, der nach Soller und in den Norden der Insel führt. Auf diese Weise spart man sich 6 Kilometer Umweg über Serpentinen den Berg hoch und wieder herunter, muß dafür aber auch einen entsprechenden Obulus zahlen.

Um 9 Uhr 40 erreichen wir das Hotel Brisas. Es ist wunderschön gelegen, direkt an der Bucht von Puerto Soller, vom herrlich blauen Wasser nur durch eine schmale Straße getrennt. Ein Familienbetrieb – klein, aber im wesentlichen sauber. Für den Preis völlig okay. Wir werden von der Besitzerin, die Deutsch mit französischem Akzent spricht, eingewiesen und machen dann zunächst etwas Pause auf unserem Zimmer. Wir haben hier zwar keinen Balkon, aber immerhin eine schöne Sicht über die Bucht hinweg auf die andere Seite, wo das eigentliche Zentrum von Puerto Soller mit seinen Restaurants und Läden liegt. Dort wollen wir uns ein Mittagessen gönnen. Aber vorher – es ist ja schließlich erst 11 Uhr! – marschieren wir los Richtung Leuchtturm, der auf dieser Seite der Bucht am Ende der Straße die Hafeneinfahrt bewacht.

Das Wetter ist phantastisch, die Temperaturen bereits sommerlich, und ich habe meinen Pullover mal wieder umsonst mitgenommen. Aber besser so als andersherum, sage ich mir. Die Straße führt stetig bergauf, und wir genießen den herrlichen Blick auf das blaue Mittelmeer. Hin und wieder fahren Schiffe aus dem Hafen und der Bucht hinaus oder kehren zurück. Es muß sich um die Fähren nach Sa Calobra handeln, die in der Reiseliteratur stets genannt werden. Eigentlich sollen sie um diese Jahreszeit noch gar nicht fahren, aber bei solch herrlichem Wetter lohnt es sich wohl doch schon.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den eingezäunten Leuchtturm. In der Nähe befindet sich ein Restaurant, an dem einige Leute herumputzen und -hämmern, damit es rechtzeitig zu Saisonbeginn wieder auf Vordermann gebracht ist. Hier kriegen wir heute noch nichts zu essen. Hinter dem Turm ist die Straße zu Ende; hier beginnt eine wilde Küstenlandschaft, von der uns ein Zaun trennt. So kehren wir um und marschieren zurück, am Hotel und der Strandpromenade vorbei auf die andere Seite der Bucht, um unseren Mägen etwas zum Verdauen bieten zu können. Leider haben wir immer noch kein spanisches Geld, und so machen wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Bank mit einem Geldautomaten.

Wir müssen einige Restaurants rechts liegen lassen (links liegt die Bucht), bis wir das Zentrum mit zahlreichen Souvenirläden erreichen und auch endlich eine Bank finden. Aber wie funktioniert bloß dieser Automat? Beim ersten Versuch spuckt mir das Ding meine Karte gleich wieder vor die Füße, beim zweiten bezwinge ich das Technikwunder dann aber doch und entlocke ihm unsere ersten 25000 Peseten, etwa 150 €.

Nun sind wir für alles gewappnet und kehren zurück zu einem Restaurant, dass wir schon in’s Auge gefaßt hatten. Nach dem Studium der Speisekarte lautet meine erste Frage an die Bedienung typischerweise: „Habla usted alemàn?“ Obwohl sie verneinen muß, bekommen wir, was wir bestellt haben. Und es schmeckt auch noch.

Nachdem wir uns gestärkt haben, schlendern wir wieder die (einzige) Haupstraße entlang in den Ort hinein und durchstöbern einige Läden nach Postkarten und Kuchen zum Nachtisch. Auf einer Hafenmauer machen wir es uns gemütlich, vernaschen die kleinen Törtchen, lassen uns die Sonne auf die Köpfchen scheinen und beobachten Dreharbeiten von Palma Pictures im angrenzenden Hafen-Café. Dies scheint eine große Sache zu sein, denn die Straße ist hier von Polizisten abgeriegelt, und nicht jedes Auto kommt durch.

Entweder wird nur eine Szene gedreht, oder wir sind zu spät gekommen. Denn ruckzuck ist alles vorbei, und die Truppe baut ihre Utensilien wieder ab. Action kommt in dieser Szene offensichtlich nicht vor. Keine Sportboote, die mit rasender Geschwindigkeit auf den Strand zurasen, oder Touristen, die über die Restaurantbrüstung geworfen werden. Schade eigentlich.

Als Ersatz für entgangene Aufregung gönnen wir uns am Hafen einen Capuccino und schreiben unter stetiger Sonnenbestrahlung unsere ersten Postkarten an die lieben Verwandten und Bekannten. Besonderen Wert lege ich dabei auf die Feststellung der Tatsache, dass ich während unserer zehn Tage Urlaub mein dreißigstes Lebensjahr vollenden und damit in die nächste Existenzkrise gleiten werde…

Kurz vor 18 Uhr kehren wir in unser Hotel zurück und bereiten uns so langsam auf das Abendessen vor, das es zwischen halb acht und halb neun im großen Saal gibt. Unsere Plätze haben wir bereits beim Check-In heute morgen zugewiesen bekommen – die scheinen jetzt für die nächsten zehn Tage fest zu sein. Den Tisch teilen wir uns mit einem jungen Paar aus Hamburg, das schon ein paar Tage länger hier ist und uns so einiges erzählt über wildromantische Touren und Gegenden. Oder vielmehr erzählt „er“ etwas. Nein, sogar eine ganze Menge…

Getränke müssen wir uns an der Theke selbst holen. Wir entscheiden uns heute abend zunächst für ein Wasser und ein einheimisches „Elaborada“-Kunst-Bier, auf das ich jedoch ab morgen verzichten werde. Das Essen bekommen wir von dem Mann des Hauses, einem behäbigen und freundlichen Mann mittleren Alters, am Tisch serviert. Es gibt einen Schlag Suppe mit Knochen drin, danach (gottseidank toten) Fisch. Beim Nachtisch haben wir die Wahl: „Eis, Pudding, Orange?“ werden wir gefragt. Wir wählen Eis, das sich als Fabrikprodukt im Töpfchen herausstellt. Morgen werden wir wohl auch den Pudding probieren, der sehr gut aussieht…

Was soll’s – wir sind zufrieden, das Mahl hat uns gut gemundet.

Nach dem Essen begeben wir uns noch einen Augenblick an die frische Luft – der Himmel ist herrlich sternenklar: Noch nie habe ich auf Anhieb so viele Sterne im Orion gesehen… Allerdings ist es doch ziemlich kühl und auch recht dunkel hier auf der schmalen Straße. Wir müssen befürchten, dass die Fahrer der Autos, die hier doch hin und wieder vorbeisausen, uns nicht sehen und einfach umfahren. Also kehren wir in unser kleines Zimmer zurück – der Aufenthalts- und Fernsehsaal ist leider voller alter Leute – und öffnen die Flasche Sangria, die wir heute mittag im Supermarkt erstanden haben. Brrr, eiskalt läuft’s uns den Rücken runter! Nein, nicht weil das Getränk so kalt ist, sondern weil es so ungekühlt wie jetzt überhaupt nicht schmeckt. Den Rest der Flüssigkeit entsorgen wir dann auch über badezimmereigene Abflüsse…

Tja, so schnell ist der erste Urlaubstag vorbei, und wir machen erste Bekanntschaft mit den gewöhnungsbedürftigen Betten unserer Unterkunft, die lediglich aus durchgelegenen Matratzen auf alten Drahtgestellen bestehen. Birgit trennt außer der Matratze sogar noch ein Spanholzbrett von dem Gestell. Aber trotzdem schlafe ich bald ein…

Mallorca bietet mehr als nur den Ballermann

Mallorca ist weitaus mehr ist als nur Basis für das Besäufnis einiger Tausendschaften durstiger deutscher Touristen; das haben wir schon öfter gehört. Die Insel bietet noch viel mehr; z.B. ist sie auch ideales Wandergebiet.

Diese Erfahrung wollten Birgit und ich machen, und so nutzten wir die Gelegenheit, rechtzeitig zu meinem dreißigsten Geburtstag auszubüchsen und zehn Tage Urlaub im sonnigen Süden einzuschieben.

Im Reisebüro ließen wir uns beraten, um den für unsere Ansprüche und Wünsche geeigneten Urlaubsort zu finden, und prompt schlug man uns Puerto Soller vor, das direkt nördlich des mallorquinischen Zentralgebirges (klingt ja mächtig, aber die Berge sind immerhin bis zu 1500 Meter hoch) liegt. Die Region dort soll ideales Wandergebiet sein, und Ausflüge ins Umland bieten vielfältige Möglichkeiten.

Hotel BrisasDie Wahl des Hotels fiel dann nicht schwer: Von den lediglich dreien, die im März angeboten wurden, war nur noch eines frei – das Hotel Brisas, ein kleiner Familienbetrieb direkt an der Bucht von Puerto Soller. Der Preis war okay – € 366,- waren nicht zuviel. Zusätzlich mieteten wir einen Wagen der Corsa-Klasse für eine Woche zum Preis von € 145,-. Wir wollten schließlich beweglich bleiben.

So schmökerten wir noch ein wenig in den Reiseführern, um so ungefähr zu wissen, welche Ausflüge sich lohnen könnten und welche Wanderungen interessant erschienen.

Am 27.02 war dann der Tag, an dem wir endgültig reif für die Insel waren…