Mallorca aus der Luft

Ankunft auf Mallorca und auf nach Puerto Soller

Es hat ja bekanntlich alles seine Vor- und Nachteile. Aber um früh morgens um 3 Uhr 45 aufzustehen, müssen die Vorteile doch schon gewaltig sein. Eine bestialisch unchristliche Abflugzeit von 6 Uhr zwingt uns, zu dieser nachtschlafenden Zeit unsere Bettruhe abzubrechen und den Urlaub mit einem Kraftakt zu beginnen.

Immerhin – unser erster Tag auf Mallorca würde dadurch auch gleich ein nahezu ganzer sein. Dies vor Augen, quälen wir uns aus den Federn, raffen nach der üblichen Morgenwäsche und einer schnellen Tasse Kaffee die bereits am Vorabend gepackten Rucksäcke zusammen und warten auf das schon bestellte Taxi.

Düsseldorfer FlughafenWir haben den Vorabend-Check-In genutzt, um unsere Koffer abzugeben und uns schöne Sitzplätze zu beschaffen. Dabei haben wir sogar noch eine kleine Odyssee über den Düsseldorfer Flughafen gemacht. Irrtümlicherweise haben wir den Wagen viel zu früh geparkt. Zu „Abflug D“ mußten wir, parkten aber bereits bei „C“. Nachdem wir unsere Koffer ein wenig kreuz und quer über das Flughafengelände gezogen hatten, stellten wir fest, dass wir einen Shuttle-Bus nehmen mußten, um „D“ zu erreichen. Halb so wild, die fahren alle zehn Minuten und kosten nichts. So klappte das Einchecken dann doch noch recht gut. Wir waren froh, bereits am Abend vorher diese Erfahrung gemacht zu haben. Hätten wir uns heute am Abflugmorgen noch auf dem Flughafen verirrt, na dann Prost Mahlzeit…

Aber dafür gibt es ja Taxifahrer, die sich auskennen. Unser war für 4 Uhr 45 bestellt, steht aber bereits um kurz nach halb fünf vor dem Haus. Nach einer schnellen Fahrt befinden wir uns schon um kurz nach fünf Uhr in der neuen Wartehalle, mitten unter zahlreichen älteren Herr- und Damschaften, die dasselbe Ziel haben wie wir. Auch hier senken wir also den Altersdurchschnitt der Anwesenden erheblich. Genießen wir diesen Augenblick, denn die Biologie lehrt, dass das in einigen Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Mit dicken Augen im Gesicht und einem unverschämt teuren Becher Kaffee in der Hand warten wir auf die Aufforderung zum Abmarsch.

Wir starten pünktlich, und der Flug verläuft ereignislos. Es ist herrliches Wetter, und wir können eine wunderschöne watteartige Wolkenschicht bewundern, über die wir dahingleiten. Um 5 nach 8 landen wir dann in Palma. Bereits während der Landung verstehen wir, warum Mallorca auch die Insel der tausend Windmühlen genannt wird: Überall rings um den Flughafen erkennen wir die vorwiegend kleinen Mühlen, die ihre zum Teil halb verfallenen Flügel in den Wind halten – einige drehen sich sogar noch. Die meisten jedoch machen einen ziemlich verwahrlosten Eindruck.

Mallorca FlughafenEin Bus holt uns vom Flugzeug ab und schifft uns einige hundert Meter weiter bis fast direkt vor die Bänder, an denen wir unsere Koffer abholen können. Es ist sehr ruhig in dem Gebäude – die Stille wirkt fast schon unheimlich. Man merkt, dass noch Vorsaison ist. Die meisten der Mietwagenschalter sind noch geschlossen, der Boden ist fast geleckt sauber, und unser Gepäck erhalten wir auch recht schnell. Positiv überrascht sind wir auch darüber, dass hier keinerlei Paßkontrolle durchgeführt wird. Ja, hier gibt es nicht einmal einen Schalter, wo man so etwas machen könnte. Von dem Band aus geht man einfach an den Mietwagenhüttchen vorbei hinaus auf den großen Parkplatz vor dem Flughafengebäude. Das haben wir auch noch nicht erlebt.

Hier treffen wir eine Neckermann-Mitarbeiterin, die uns den Bus „A 38″ als Transportmittel nennt. Unter den großen Bussen, die direkt am Ausgang stehen, finden wir den aber nicht. Auf unsere Frage hin zeigt eine weitere Reisebegleiterin dann an das andere Ende des Parkplatzes, wo drei kleine Transporter wie Fremdkörper einsam auf Passagiere warten. Fast wirkt es so, als wollen die großen Jungs die Kleinen nicht in ihrer Mitte haben. Hier finden wir unseren „A 38″. Es ist aber nicht einer der beiden neuen Mercedes-Kleinbusse, sondern der schon etwas angegriffen wirkende Fiat, den wir besteigen dürfen. Unsere Koffer lädt der Fahrer als letzte ein; offensichtlich sind wir die ersten, deren Hotel angefahren wird. Der Kleinbus mit seinen zehn Plätzen ist dann auch voll besetzt, und unser Gepäck paßt nicht mehr in den schmalen Kofferraum. Stattdessen findet es Platz im noch schmaleren Gang des Transporters.

Auf der Fahrt zu unserem Hotel erhalten wir einen ersten Eindruck von Palma, das wir schnell hinter uns lassen, und von der Natur, deren liebste Farbe grün ist. Auf den ersten Blick erscheint uns die Hauptstadt der Insel trocken, staubig und dreckig, und links und rechts neben der Straße sehen wir Stellen, wo Mallorquiner alles mögliche verbrennen, sogar Autoreifen. Wir kommen an Olivengärten vorbei, an Mandelbäumen, von denen die meisten jedoch schon nicht mehr blühen, und durchqueren den neu gebauten, 3 Kilometer langen Tunnel, der nach Soller und in den Norden der Insel führt. Auf diese Weise spart man sich 6 Kilometer Umweg über Serpentinen den Berg hoch und wieder herunter, muß dafür aber auch einen entsprechenden Obulus zahlen.

Um 9 Uhr 40 erreichen wir das Hotel Brisas. Es ist wunderschön gelegen, direkt an der Bucht von Puerto Soller, vom herrlich blauen Wasser nur durch eine schmale Straße getrennt. Ein Familienbetrieb – klein, aber im wesentlichen sauber. Für den Preis völlig okay. Wir werden von der Besitzerin, die Deutsch mit französischem Akzent spricht, eingewiesen und machen dann zunächst etwas Pause auf unserem Zimmer. Wir haben hier zwar keinen Balkon, aber immerhin eine schöne Sicht über die Bucht hinweg auf die andere Seite, wo das eigentliche Zentrum von Puerto Soller mit seinen Restaurants und Läden liegt. Dort wollen wir uns ein Mittagessen gönnen. Aber vorher – es ist ja schließlich erst 11 Uhr! – marschieren wir los Richtung Leuchtturm, der auf dieser Seite der Bucht am Ende der Straße die Hafeneinfahrt bewacht.

Das Wetter ist phantastisch, die Temperaturen bereits sommerlich, und ich habe meinen Pullover mal wieder umsonst mitgenommen. Aber besser so als andersherum, sage ich mir. Die Straße führt stetig bergauf, und wir genießen den herrlichen Blick auf das blaue Mittelmeer. Hin und wieder fahren Schiffe aus dem Hafen und der Bucht hinaus oder kehren zurück. Es muß sich um die Fähren nach Sa Calobra handeln, die in der Reiseliteratur stets genannt werden. Eigentlich sollen sie um diese Jahreszeit noch gar nicht fahren, aber bei solch herrlichem Wetter lohnt es sich wohl doch schon.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den eingezäunten Leuchtturm. In der Nähe befindet sich ein Restaurant, an dem einige Leute herumputzen und -hämmern, damit es rechtzeitig zu Saisonbeginn wieder auf Vordermann gebracht ist. Hier kriegen wir heute noch nichts zu essen. Hinter dem Turm ist die Straße zu Ende; hier beginnt eine wilde Küstenlandschaft, von der uns ein Zaun trennt. So kehren wir um und marschieren zurück, am Hotel und der Strandpromenade vorbei auf die andere Seite der Bucht, um unseren Mägen etwas zum Verdauen bieten zu können. Leider haben wir immer noch kein spanisches Geld, und so machen wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Bank mit einem Geldautomaten.

Wir müssen einige Restaurants rechts liegen lassen (links liegt die Bucht), bis wir das Zentrum mit zahlreichen Souvenirläden erreichen und auch endlich eine Bank finden. Aber wie funktioniert bloß dieser Automat? Beim ersten Versuch spuckt mir das Ding meine Karte gleich wieder vor die Füße, beim zweiten bezwinge ich das Technikwunder dann aber doch und entlocke ihm unsere ersten 25000 Peseten, etwa 150 €.

Nun sind wir für alles gewappnet und kehren zurück zu einem Restaurant, dass wir schon in’s Auge gefaßt hatten. Nach dem Studium der Speisekarte lautet meine erste Frage an die Bedienung typischerweise: „Habla usted alemàn?“ Obwohl sie verneinen muß, bekommen wir, was wir bestellt haben. Und es schmeckt auch noch.

Nachdem wir uns gestärkt haben, schlendern wir wieder die (einzige) Haupstraße entlang in den Ort hinein und durchstöbern einige Läden nach Postkarten und Kuchen zum Nachtisch. Auf einer Hafenmauer machen wir es uns gemütlich, vernaschen die kleinen Törtchen, lassen uns die Sonne auf die Köpfchen scheinen und beobachten Dreharbeiten von Palma Pictures im angrenzenden Hafen-Café. Dies scheint eine große Sache zu sein, denn die Straße ist hier von Polizisten abgeriegelt, und nicht jedes Auto kommt durch.

Entweder wird nur eine Szene gedreht, oder wir sind zu spät gekommen. Denn ruckzuck ist alles vorbei, und die Truppe baut ihre Utensilien wieder ab. Action kommt in dieser Szene offensichtlich nicht vor. Keine Sportboote, die mit rasender Geschwindigkeit auf den Strand zurasen, oder Touristen, die über die Restaurantbrüstung geworfen werden. Schade eigentlich.

Als Ersatz für entgangene Aufregung gönnen wir uns am Hafen einen Capuccino und schreiben unter stetiger Sonnenbestrahlung unsere ersten Postkarten an die lieben Verwandten und Bekannten. Besonderen Wert lege ich dabei auf die Feststellung der Tatsache, dass ich während unserer zehn Tage Urlaub mein dreißigstes Lebensjahr vollenden und damit in die nächste Existenzkrise gleiten werde…

Kurz vor 18 Uhr kehren wir in unser Hotel zurück und bereiten uns so langsam auf das Abendessen vor, das es zwischen halb acht und halb neun im großen Saal gibt. Unsere Plätze haben wir bereits beim Check-In heute morgen zugewiesen bekommen – die scheinen jetzt für die nächsten zehn Tage fest zu sein. Den Tisch teilen wir uns mit einem jungen Paar aus Hamburg, das schon ein paar Tage länger hier ist und uns so einiges erzählt über wildromantische Touren und Gegenden. Oder vielmehr erzählt „er“ etwas. Nein, sogar eine ganze Menge…

Getränke müssen wir uns an der Theke selbst holen. Wir entscheiden uns heute abend zunächst für ein Wasser und ein einheimisches „Elaborada“-Kunst-Bier, auf das ich jedoch ab morgen verzichten werde. Das Essen bekommen wir von dem Mann des Hauses, einem behäbigen und freundlichen Mann mittleren Alters, am Tisch serviert. Es gibt einen Schlag Suppe mit Knochen drin, danach (gottseidank toten) Fisch. Beim Nachtisch haben wir die Wahl: „Eis, Pudding, Orange?“ werden wir gefragt. Wir wählen Eis, das sich als Fabrikprodukt im Töpfchen herausstellt. Morgen werden wir wohl auch den Pudding probieren, der sehr gut aussieht…

Was soll’s – wir sind zufrieden, das Mahl hat uns gut gemundet.

Nach dem Essen begeben wir uns noch einen Augenblick an die frische Luft – der Himmel ist herrlich sternenklar: Noch nie habe ich auf Anhieb so viele Sterne im Orion gesehen… Allerdings ist es doch ziemlich kühl und auch recht dunkel hier auf der schmalen Straße. Wir müssen befürchten, dass die Fahrer der Autos, die hier doch hin und wieder vorbeisausen, uns nicht sehen und einfach umfahren. Also kehren wir in unser kleines Zimmer zurück – der Aufenthalts- und Fernsehsaal ist leider voller alter Leute – und öffnen die Flasche Sangria, die wir heute mittag im Supermarkt erstanden haben. Brrr, eiskalt läuft’s uns den Rücken runter! Nein, nicht weil das Getränk so kalt ist, sondern weil es so ungekühlt wie jetzt überhaupt nicht schmeckt. Den Rest der Flüssigkeit entsorgen wir dann auch über badezimmereigene Abflüsse…

Tja, so schnell ist der erste Urlaubstag vorbei, und wir machen erste Bekanntschaft mit den gewöhnungsbedürftigen Betten unserer Unterkunft, die lediglich aus durchgelegenen Matratzen auf alten Drahtgestellen bestehen. Birgit trennt außer der Matratze sogar noch ein Spanholzbrett von dem Gestell. Aber trotzdem schlafe ich bald ein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.