Pollenca

Anstrengende Wanderung von Lluc nach Pollenca

Auch heute gesellen wir uns wieder zu den Frühaufstehern. Um 7 Uhr springen wir aus unseren Betten und sind bereits um 9 Uhr 15 auf dem Weg nach Lluc, wo wir zunächst das berühmte Kloster mit der noch berühmteren „Schwarzen Madonna“ besichtigen wollen, um dann anschließend eine „Mörderwanderung“ von 15 Kilometern Länge nach Pollenca zu unternehmen.

Santuari de LlucNach der üblichen Kurverei durch die Serra de Tramuntana erreichen wir das Monastir de Lluc um kurz vor 10 Uhr. Es ist noch nicht viel los hier; nur einige wenige Autos und zwei Schafe – eine Mutter mit ihrem Lamm – treiben sich auf dem großen Parkplatz herum. So gönnen wir uns denn auch den Luxus, auf einem Busstellplatz zu parken. Mit den beiden Schafen im Nacken machen wir uns auf den kurzen Weg zum Kloster, vorbei an dem kleinen Restaurant, das um diese Uhrzeit schon geöffnet hat, durch das große Eingangstor an den niedrigen Gebäuden vorbei. Irgendwie sieht alles gar nicht wie ein Kloster aus, zumindest nicht so, wie wir es erwartet hätten. Wahrscheinlich haben wir noch die Klöster im Gedächtnis, die wir in Portugal gesehen haben…

Pere Joan Santuari de LlucWir verlassen den Innenhof bald wieder und überlegen, ob wir zu dem Kreuz auf dem Hügel hinaufsteigen sollen, der sich hinter dem Kloster erhebt. Aber da wir ja gleich noch zu unserer Wandertour aufbrechen und uns nicht jetzt schon verausgaben wollen, lassen wir das lieber. Stattdessen schreiten wir durch einen Seiteneingang in einen zweiten Innenhof, auf dem sich das Denkmal eines der früheren Äbte befindet. Von hier aus gelangen wir in die Kapelle, in dessen hinterem Teil sich die Schwarze Madonna befindet – gut geschützt hinter dickem Glas. Zugegebenermaßen sieht sie sehr interessant aus, obwohl nicht unbedingt schwarz. Als zwei ältere deutsche Touristenpaare ziemlich lautstark in den Hinterraum der Kapelle eindringen, mache ich mich aus dem Staub und suche Birgit, die neben dem Eingang der Kapelle per Kopfhörer den Erläuterungen einer Geisterstimme zuhört. Wir lösen uns aus dieser Umgebung, kaufen in dem kleinen – sehr kleinen! – Laden, der sich in dem angrenzenden Gebäude befindet, noch Brot und Käse als Wegzehrung ein, und machen uns wieder auf den Weg. Gerade rechtzeitig, denn nun treffen die ersten Reisebusse ein.

Um zehn vor 11 Uhr erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung: einen Picknickplatz, der übersät ist mit Müll und Dreck. Wir stellen den Wagen neben der Einfahrt ab, packen den großen Rucksack und unsere Jacken und marschieren los, das Buch mit der Wegbeschreibung in der Hand. Das erste Stück ist recht anstrengend, es geht ganz schön bergauf, und wir geraten ein wenig in’s Schnaufen. Aber das schreckt uns ja nicht ab, sondern spornt uns an. Kurz darauf wird der Weg sehr steinig, verläuft aber eben. Besonders gut laufen kann man auf dieser Schotterpiste jedoch nicht. Ständig muß man auf den Weg schauen, damit sich die Füße nicht zwischen den dicken Kieseln verheddern und man unsanft hinstolpert…

Laut Tourbeschreibung liegen wir gut in der Zeit, ja, wir sind sogar eine halbe Stunde schneller. Nein, es geht uns nicht darum, den Weg möglichst schnell zu absolvieren, es interessiert mich nur, ob die Zeitangaben für uns Normalsterbliche realistisch sind. Und sie sind es, müssen wir mal wieder feststellen. Es ist in der Hinsicht beruhigend, als dass man weiß, dass man sich doch nach diesen Angaben richten kann.

Nach etwa einer Stunde geht es ständig bergab. Wir durchwandern einen Olivenhain und machen auf einer niedrigen Mauer erst einmal ein Stärkungspäuschen. Das Baguette wird gebrochen, der Käse dieses mal nicht geschnitten, sondern auf das Brot geschmiert, und das Wasser in die trockenen Kehlen gegossen. Ja, so läßt es sich aushalten. Besonders, wenn das Wetter mal wieder so schön mild ist, einige Vögel zwitschern und man ganz alleine auf der Welt zu sein scheint. Okay, letzteres muß echt nicht sein, nur manchmal…

Nach einer halben Stunde machen wir uns wieder auf die Sohlen und den Weg und gelangen an ein geschlossenes Tor. Es verlangt ein wenig Nachdenken, um es öffnen zu können, aber wir schaffen es doch. Weiter geht es auf oft gefährlich steinigem Pfad ständig bergab, und bald überholt uns ein wagemutiger Mountainbiker.

Irgendwann erreichen wir die ersten einsamen Häuser, die verloren am Berg inmitten eines netten Gartens stehen und vielleicht sogar irgendwelchen Prominenten gehören?! Endlich wird der Weg wieder eben, und auf Asphalt marschieren wir bis zur C710, wo wir versuchen wollen, den Bus zurück nach Lluc zu erwischen. Wir kommen an Schafweiden vorbei, beobachten während einer Orangenpause, wie ein Bauer eine Schafmutter mit ihrem LammC710 Wandern wieder eintreibt, und stellen so nach und nach fest, dass dieses Asphaltlaufen auch nicht das Wahre ist. So langsam melden sich unsere Füße. Als wir schließlich gegen halb drei die Straße nach Lluc erreichen, ist es viel zu früh für den Bus, der erst nach 16 Uhr hier vorbeikommen soll. Außerdem sehen wir hier auch gar keine Haltestelle! Was nun?

Trampen wollen wir nicht, und um nicht fast zwei Stunden hier am Straßenrand hocken zu müssen, raffen wir uns noch einmal auf zu einem Gewaltmarsch nach Pollenca. Bis dahin sind es noch fünf Kilometer auf der Straße, aber das schaffen wir schon! In Pollenca erwischen wir entweder den Bus, oder wir nehmen uns ein Taxi zurück zu unserem Wagen.

Die Strecke ist schrecklich. Zum einen kommt man sich äußerst merkwürdig vor, wenn die Autos und Radler an einem vorbeijagen. Besonders die, die uns entgegenkommen, scheinen uns wie Außerirdische zu betrachten. Zum anderen zieht sich die Straße endlos hin. Kaum haben wir eine Kurve erreicht, schauen wir schon wieder auf eine scheinbar kilometerlange Gerade bis zur nächsten Kurve, und wir müssen uns mit einem „Wir haben es ja bald geschafft!“ bei Laune halten. Anhand der Kilometersteine am Wegesrand können wir gut abschätzen, wie weit wir noch zu laufen haben. Gut einen Kilometer vor Pollenca sind wir nicht mehr die einzigen, die per pedes die Straße entlang laufen. Ein mit Körben bewaffnetes Mütterchen trippelt vor uns her. Sie hat auch ein beachtliches Tempo drauf, aber Birgit, die ganz schön Pes macht, überholt sie bald, und ich ziehe kurz darauf nach. Ich spüre, dass uns dieser letzte Abschnitt für heute den Rest gibt. Meine Hacken brennen richtig, bestimmt habe ich eine dicke Blase (also, unter dem Hacken, meine ich)…

Pollenca HotelEndlich erreichen wir den Ortseingang, marschieren tapfer durch alte, enge Gassen und haben keine Ahnung, wo denn hier ein Bus abfahren könnte, geschweige denn, wie er durch diese Straßen kommen sollte. Ob wir hier falsch sind, und ob wir hier jemals wieder weg kommen? Damit wir hier nicht weiter ziellos herumlaufen, spreche ich mit meinem rudimentären Spanisch eine Frau mittleren Alters an und kauderwelsche mir die Frage zurecht, wo denn hier wohl die Busstation sei. Ich verstehe ihre Antwort überhaupt nicht (das hätte mir eigentlich klar sein sollen), aber die Richtung, in die sie zeigt, reicht uns fürs erste. Wir erreichen einen großen Platz mit Cafés, die unsere zugestaubten durstigen Kehlen sofort ansprechen. Aber wir wollen den Bus finden, und mutig frage ich hier noch einmal den Kellner, der uns um die nächste Straßenecke schickt. Und tatsächlich: Hier stehen in einer großen, alten Garage einige Busse, und ein Fahrplan hängt an der Wand. Leider werden wir aus dem überhaupt nicht schlau.

Einer der Busse ist abfahrbereit, der Fahrer und einige Fahrgäste sitzen bereits drin. Ich versuche noch einmal mein Glück, aber von dem Genuschel des Fahrers verstehe ich kein einziges Wort. Wir geben es auf und einigen uns darauf, ein Taxi zu nehmen. Bei einem der Cafés haben wir nämlich bereits eines gesehen. Bevor wir jedoch an Ort und Stelle eingehen, genehmigen wir uns noch einen Orangensaft. Erst dann stapfen wir mit schmerzenden Füßen zu dem Gefährt. Es ist kein Fahrer drin, stellen wir irritiert fest. Ob der schon Feierabend macht? Aber nein, da kommt er schon. 3200 Peseten antwortet er auf meine Frage, wie teuer die Fahrt nach Lluc sei. In unserer Stimmung ist uns das dann auch egal. Wir nicken, und los geht’s. Die Fahrt ist angenehm, wir können noch ein wenig die Landschaft bewundern, die wir ja noch gar nicht gesehen haben, und sind in zwanzig Minuten zurück bei unserem Tigra. Freundlich verabschiedet sich unser Fahrer, und unsere Füße sind froh, dass sie erst mal nichts mehr tun müssen.

Coves de CampanetWir beschließen, uns noch die Coves de Campanet anzuschauen und düsen nach einer kurzen Pause weiter. Etwa Viertel vor sechs Uhr erreichen wir die Tropfsteinhöhlen. Ein recht modernes Besucherzentrum hat man hier errichtet, mit Restaurant, sauberen Toiletten und Souvenirladen. Auf dem Parkplatz stehen nur zwei Autos, und die Führung durch die Höhlen ist für uns eine Privatdarbietung, denn wir sind die einzigen Gäste im Augenblick. Der Rundgang durch die Grotten mit ihren interessanten Figuren und den faszinierenden Spaghetti-Stalagtiten gerät dadurch vielleicht etwas kürzer als sonst, aber so ist das ganze etwas persönlicher. Nur unsere Führerin hat etwas Angst, dass sie Ärger mit ihrer Chefin bekommt, wenn sie so früh wieder da ist…

Die ist sowieso putzig, diese kleine Frau. Fragt uns ständig dasselbe, etwa, ob wir ihr Deutsch verstehen würden, ob wir das erste mal hier seien, wo wir denn herkämen. Und dass sie immer nach Mainz fährt, wenn sie in Deutschland ist, und so fort.

Wirklich schön, diese Höhlen, aber die Luft hier unten ist auch unheimlich schwül und stickig. Irgendwie scheint unsere Führerin auch schon etwas abbekommen zu haben; sieht etwas kränklich aus, die Gute…

Uns genügt diese Vorstellung, und wir kehren zurück nach Soller, genießen das dreigängige Abendessen, den Wein und das Geplapper unserer Tischnachbarn, bevor wir dann müde in die Kissen fallen.

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