Cap Formentor

Ausflug in den Norden der Insel nach Boquer und Cap Formentor

Das Cap Formentor müssen wir unbedingt besuchen, ermahnten unsere Tischnachbarn uns eines Abends. Da wir das eh’ vor hatten und wir unsere Füße heute ein wenig schonen wollen, machen wir uns nach einem kurzen Einkauf in einem der kleinen Supermärkte von Puerto Soller um 10 Uhr auf den Weg Richtung Puerto Pollenca. In der Nähe waren wir ja gestern schon…

Um halb zwölf erreichen wir den Ort, durchqueren ihn aber und fahren gleich hoch zum ersten Aussichtspunkt, der auf dem Weg zum Cap liegt, obwohl mir die Tankanzeige etwas Sorge macht. Der Parkplatz beim Mirador Colomer ist um diese Zeit bereits gerammelt voll, zig Pkws und zahlreiche Busse blockieren fast schon die Straße, und Dutzende von Touristen schlängeln sich die schmalen Stufen zur Aussichtsplattform hoch bzw. wieder runter. Der Blick nach Norden Richtung Cap entlang der kargen Küste ist schon faszinierend, und der Atem gerät in’s Stocken, wenn man in die Tiefe blickt. Kaum zu glauben, aber es sind von hier aus zweihundert Meter bis zur Wasseroberfläche. Jetzt bloß nicht taumeln…

Obwohl es mal wieder sehr unterhaltsam ist, den Touristen zu lauschen, halten wir uns nicht sehr lange auf. Wir amüsieren uns darüber, wie eine Frau ihren Mann zusammenstaucht, weil sie extra wegen ihm hier herauf geklettert ist, obwohl er nur den trostlosen Turm fotografieren will, der sich auf dem Gipfel auf der anderen Straßenseite in die Höhe reckt. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dort irgendjemand herumrennt. Irgendwie kommt man wohl dort hinauf, aber das lassen wir mal.

Da mir nun doch etwas mulmig wegen des flüchtigen Benzins wird, kehren wir um und suchen in der Stadt eine Tankstelle. Außerdem ist jetzt wohl gerade Stoßzeit, was den Verkehr an Touri-Bussen und Autos auf dem Cap angeht. Wir werden uns halt erst den Ort ein wenig ansehen, einen kleinen Spaziergang zum Boquer-Tal machen und anschließend zum Cap fahren.

Bei der Einfahrt nach Puerto Pollenca habe ich eine Tankstelle gesehen, fällt mir ein. Wir müssen also nur quer durch den Ort zurückfahren. Dieses gestaltet sich jedoch recht schwierig, denn die Hauptstraße ist eine Einbahnstraße, und so kreuzen wir durch irgendwelche kleineren Wohnviertel, bis wir einen Kilometer vor dem Ortseingang auf die Hauptstraße zurückfinden und die Tankstelle erreichen. Schnell getankt, und weiter geht’s, wieder in den Ort hinein. Am Straßenrand finden wir eine freie Parklücke. Von hier aus marschieren wir Richtung Strand und Hafen und kaufen unterwegs noch ein paar Orangen ein.

Die Strandpromenade bietet so ziemlich alles, was man als Tourist hier braucht. An kleinen Läden, Restaurants und Cafés herrscht kein Mangel. In einem Lädchen suchen wir uns aus der Kühltruhe jeder ein Eis aus. Kaum haben wir es in der Hand, steht der Verkäufer neben uns, reißt es uns fast aus derselben und nimmt uns mit an die Kasse. Mit Pesetenzeichen in den Augen läßt er eine andere Kundin stehen, die ihn etwas fragen will, kassiert und macht sogar für uns das Eis auf! So etwas haben wir auch noch nicht erlebt! Erst dieser geldgierige Blick, und dann dieser Service, auf den wir aber gerne verzichtet hätten, denn wir packen unser Eis doch lieber selber aus…

Vall de BoquerWir flanieren ein wenig, hocken uns dann noch etwas auf eine Bank direkt am Wasser und beobachten die kleinen Fische, die ahnungslos von dem Treiben in der Welt in dem recht klaren Wasser ihre unbedeutenden Kreise ziehen. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort, vorbei an netten Restaurants und Bistros erreichen wir unser Auto wieder. Doch, hier kann man sich schon aufhalten, sind wir uns einig. Aber nun wollen wir unseren Masochismus noch etwas ausleben und die kleine Wanderung in das Boquer-Tal machen. Auch unsere wunden Füße (ich habe tatsächlich eine Riesenblase unter dem rechten Hacken!) halten uns nicht davon ab.

Wir fahren ein Stück aus dem Städtchen hinaus Richtung Norden und parken den Tigra direkt unterhalb des Boquer-Hofes, hinter dem der Weg beginnt. Ich schnappe mir wieder den großen Rucksack mit all den Leckerlis für unser Picknick, und los geht’s. Wir müssen durch einige Tore, bis wir hinter dem Hof wieder in freie Wildbahn geraten. An den ersten größeren Felsen, die man hier findet, sehen wir dann auch schon einige Kletterer, die hier herumhängen. Wir strumpeln weiter. Der Weg ist angenehm, vor allem nicht steinig. Wir kommen an einer Baumgruppe vorbei, unter der man schön picknicken können soll, aber wir wollen erst die Bucht und das Wasser sehen. Die Vegetation hier ist außerst karg und niedrig. Kleine Büsche prägen das Bild, und der Wind wird immer rauher. Auch hier springen zahlreiche Schafe und auch Ziegen durch die Gegend. Ständig hört man irgendwo Glocken klingeln. Auf der Suche nach irgendwelchen Knospen klettert eine Ziege sogar in einem Busch herum.

Etwa um zwei Uhr erhaschen wir den ersten Blick auf die Bucht. Wir sehen zwar den Strand noch nicht, aber der Hunger übermannt uns, und so hocken wir uns mitten im frischen Wind auf einen Felsen und speisen unser Baguette mit Käse. Es ist schon eine tolle Ecke hier, nur ziemlich zugig. Während des Essens ziehen wir vorsichtshalber unsere Pullover über. Als wir dann wieder aufbrechen, um den Weg fortzusetzen, ziehen wir auch noch die Jacken an; es ist doch überraschend kalt so mitten im Wind!

Leuchtturm am Cap Formentor

Nach etwa einer weiteren Viertelstunde Marsch erhaschenwir einen ersten Blick auf den Strand und das blaue Wasser davor. Er liegt etwa dreißig Meter unter uns, und irgend jemand treibt sich dort unten herum. Damit es nicht zu spät wird für eine Weiterfahrt zum Cap Formentor machen wir uns auf den Rückweg. Wir verlassen so langsam den windigen Teil der Bucht, und nach und nach entledigen wir uns wieder unserer Jacken und der Pullover. Ohne Wind ist es in der Sonne warm genug, da reicht das T-Shirt.

Kurz vor dem Hof fragt uns eine Frau, ob hier „der schöne Ausblick sei“! Da müsse sie noch etwa zwanzig Minuten laufen, antworten wir, und sie marschiert stöhnend weiter. Sollen die Leute doch zu Hause bleiben, wenn ihnen das schon zuviel ist!

Mit unserem vollgetankten Flitzer geht es nun wieder die Küste hinauf Richtung Cap. Am ersten Aussichtspunkt rauschen wir nun so vorbei; es ist tatsächlich nicht mehr so viel los wie am Mittag. Die Straße windet sich durch die Landschaft, und an einem weiteren Haltepunkt erhaschen wir einen ersten schönen Blick auf den Leuchtturm in der Ferne. Weiter geht es an der Straße zum Playa Formentor vorbei durch einen Wald, und schließlich erreichen wir den Leuchtturm auf dem Cap Formentor. Hier ist nicht viel Platz, aber eine Parklücke ist für uns noch frei. Busse scheinen jedoch nicht bis hierhin zu fahren – die haben keine Wendemöglichkeit!

Der Blick in Richtung Westen ist etwas enttäuschend; die Sonne steht genau dort, und man blickt durch eine Art Dunst die Küste entlang. Im Leuchtturm befindet sich ein kleiner Kiosk, und ich gönne mir ein Eis. Leider kommt man nicht auf die andere Seite des Turmes, um dort in die Tiefe und über das Meer hinweg schauen zu können. Ein Kleinbus kommt und wendet mühsam auf dem kleinen Parkplatz. Offensichtlich ein Shuttle-Bus; die großen Busse parken auf einem großen Platz Nahe der Straße zur Playa Formentor.

Hotel FormentorDa wir hier nun genug gesehen haben, setzen wir uns wieder in unser Fahrzeug und fahren die Strecke zurück bis zu jener Abzweigung zum Strand. Wir parken den Wagen direkt an der Mündung der Straße, die nur für Anlieger freigegeben ist, und müssen einige hundert Meter laufen, bis wir unsere beschuhten Füße in das Mittelmeerwasser halten können. Wir gönnen uns einen kleinen Strandspaziergang, während der große Licht- und Wärmespender in unserem Rücken so langsam untergeht. Irgendwo an dem Hang, der zum Strand hinunterführt, liegt das berühmte Hotel Formentor, das im zweiten Weltkrieg so viele Rebellen und Verschwörer beherbergt hat. Hinter den vielen Bäumen ist es kaum zu erkennen. Als wir unseren Wagen wieder erreichen, springt gerade eine spanische Familie aus ihrem Auto, und der Mann fragt uns irgendwas. Es scheint was mit dem Weg zum Strand zu tun zu haben. Als ich ihm mit einem „no lo comprendo“ klarmachen will, dass ich ihn nicht verstehe, zeigt er auf den Kinderwagen und wiederholt seine Frage mit dem Zusatz „Grande – pequeño?“. Ah, denke ich, er will wissen, ob der Weg breit genug ist für den Kinderwagen, und antworte ihm: „Si, grande“. Aber da schaut er seine Frau an, zuckt mit den Schultern, und die Familie dackelt los. Hm, denke ich, vielleicht meinte er auch die Entfernung zum Strand…

Egal, wir machen uns auf den Rückweg Richtung Abendessen. Eine Stunde und 20 Minuten brauchen wir dafür. Um 19 Uhr erreichen wir unser Hotel wieder, und dieses mal bin ich schon fast so die Kurven heruntergesaust wie ein echter Mallorquiner. Der Tigra ist gar nicht schlecht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.