Ausflug mit der Bahn nach Palma

Heute haben wir es echt vor. Um 7 Uhr bereits stehen wir auf, um 8 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, packen nach der Stärkung unsere Jacken und Birgits Rucksack zusammen und springen in den Wagen. Wir wollen nämlich heute mit dem „Roten Blitz“, dem berühmten, nostalgischen Bummelzug, nach Palma. Und damit sich der Ausflug auch lohnt, werden wir schon den ersten Zug um 9 Uhr 17 nehmen.

Um 20 vor 9 sind wir in Soller – nur wo sollen wir parken? Irgendwie geraten wir in eine Einbahnstraße – natürlich in falscher Richtung. Ich drehe mühevoll, und einige Minuten später fahren wir direkt auf die Placa de America zu. Erschreckt stellen wir fest, dass wir uns schon wieder auf einer Einbahnstraße befinden – und erneut Geisterfahrer spielen. Langsam werde ich bockig, drehe noch einmal und parke direkt am Straßenrand. Dann gehen wir halt von hier aus quer durch die Stadt zum Bahnhof – so weit kann das ja gar nicht sein!

StraßenbahnWir schlagen uns durch die zum Teil engen Gassen, auf denen schon Müll weggeräumt und pressluftgehämmert wird, und erreichen ziemlich genau um 9 Uhr den Bahnhof. Schnell zwei Fahrkarten geholt, und schon sitzen wir in einem der hinteren Waggons, die fast nur aus Holz und Eisen zu bestehen scheinen. Alleine die Sitze sind schon eine Erfahrung für sich. Die Rückenlehnen können nach vorne oder hinten geklappt werden, so dass man immer in Fahrtrichtung sitzen kann! Da hat sich mal einer was einfallen lassen.

Pünktlich geht es los, und die Lok zieht gemächlich durch einige Obstgärten und an wunderschönen Häusern vorbei – einige davon werden im Reiseführer sogar als Schlößchen bezeichnet. Die Schienen winden sich langsam an den Berghängen in die Höhe, wir durchqueren einige Tunnels, erhaschen einen letzten Blick über das morgendliche, noch fast schlafende Soller, über dem ein stetiger Dunst zu hängen scheint, und erreichen bald die Südseite des Gebirges. Hier blicken wir überrascht zum Himmel hinauf, wo zum Teil sehr dunkle Wolken nicht viele Sonnenstrahlen hindurchlassen.

Der Zug rüttelt sich langsam nach Palma hinein, und wir erlangen einen weiteren Eindruck von der Inselhauptstadt, der uns nicht sonderlich begeistert. Die Häuser, an denen wir vorbeihuschen, sind zum Teil äußerst baufällig und dreckig. Alles wirkt irgendwie immer ein wenig verkommen und ungepflegt.

Kathedrale La Seu von PalmaUm zehn nach zehn erreichen wir den Sackbahnhof, in dem nur diese eine Bahnlinie endet. Wir orientieren uns auf dem Stadtplan und folgen dann dem vorgeschlagenen Rundweg durch die Innenstadt, um das wichtigste kennenzulernen. Wir schlendern dabei durch einige ganz nette Einkaufspassagen und Fußgängerzonen, verkneifen uns einen Blick in die Kathedrale La Seu von Palma, und bummeln über die vielgerühmten Ramblas, die uns aber enttäuschen. Sicher, wir sehen einige schöne Ecken, aber berauschend finden wir es hier auf den ersten Blick nicht.

Mittagessen gönnen wir uns in einem kleinen Bistro gegenüber des berühmten Gran Hotel. Ich kämpfe mit einem „spanischen“ Sandwich, während Birgit genüßlich ihre Pizza verzehrt. Zum Ausgleich versorgen wir uns dann in der benachbarten Konditorei noch mit einigen Kuchenstückchen und suchen uns einen ruhigen Platz im Park nahe der Passeig de la Rambla. Hier lassen wir ein wenig die Mittagssonne auf den Bauch scheinen (jeder auf seinen!) und beschließen dann, den nächsten Zug um 15 Uhr 15 zurück nach Soller zu nehmen.

Wir flanieren noch ein wenig durch die Straßenschluchten und stellen erstaunt fest, dass fast alle Läden nun geschlossen sind. Machen die alle Siesta? Gut, es ist auch heute mal wieder herrlich warm, aber dass die alle schließen ist doch wohl etwas übertrieben, oder?! Es ist fast nichts mehr los in der Innenstadt, nur einige Cafés bewirten noch Gäste.

Uns reicht es. Nach einem kurzen Bummel durch ein etwas größeres Kaufhaus marschieren wir zum Bahnhof zurück und sind eine Stunde später wieder in Soller.

Serra de TramuntanaHier gönnen wir uns erst einmal ein großes Eis, das wir in Palma nicht mehr gekriegt haben. Ein bißchen wollen wir noch sehen von der Gegend hier, und so setzen wir uns wieder in unser hübsches, sportliches Auto und düsen los Richtung Orient. Nein, nein, gemeint ist ein Tal auf der anderen Seite der Serra de Tramuntana, in dem der Wein angebaut und gekeltert wird, den wir jeden Abend trinken.

Zum ersten mal durchqueren wir mit dem Auto den Tunnel und müssen auch die entsprechende Gebühr löhnen. Irgendwie vergucke ich mich auf der Preistafel und halte dem Menschen im Kassiererhäuschen 120 Peseten hin. Unbeeindruckt zeigt dieser auf die Tafel, und ich erkenne meinen Irrtum: Ich habe unser Gefährt offensichtlich für ein Fahrrad gehalten. Da der Kassierer das anscheinend nicht durchgehen läßt, kostet uns der Spaß stattdessen 540 Peseten!

AlaróDie Straße, die ins Orient-Tal führt, ist eng und kurvenreich, und wir sind froh, dass uns hier kein Bus entgegenkommt, falls hier überhaupt einer durchkommt, was wir stark bezweifeln. Schnell haben wir das Handvoll-Häuser-Dorf durchquert und fahren einfach immer weiter. Nach Alaró führt uns Birgit, und hier wird es gnadenlos eng während der kurzen Fahrt durch diese kleine Stadt. Hinzu kommt offensichtlich Parkplatznot, sodaß die Straßen ziemlich zugeparkt sind und man schon zusehen muß, dass man weiterkommt. Ja, das ist schon alles sehr aufregend…

Wir beschließen, nun so langsam zurückzufahren, und düsen weiter durch die Landschaft, etwa über Inca, einer echt häßlichen, größeren Stadt. Von hier aus sausen wir zum ersten mal über eine Schnellstraße zurück Richtung Soller. Dieses mal nehmen wir nicht den Tunnel, sondern die alte Paßstraße über die Berge. Die Windungen und Kurven scheinen gar nicht mehr aufhören zu wollen, und ich mache drei Kreuze, als wir auf der anderen Seite des Berges endlich wieder die Straße erreichen! Nun freuen wir uns auf ein gutes Abendessen und einen geruhsamen restlichen Abend.

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