La Reserva

Beliebte Ausflugsziele wie La Reserva und La Granja erforschen

Ah, heute können wir mal wieder ohne unsere fabulierenden Tischnachbarn frühstücken. Nach diesem ruhigen Tagesbeginn ereilt uns aber sofort ein Schreck. Als wir zu unserem Wagen gehen, um unsere für heute geplante Fahrt zur Finca La Granja zu beginnen, sehen wir, dass der linke Außenspiegel schlaff herunterhängt.

Den muß jemand abgefahren oder dagegen getreten haben. Ist ja’n Ding! Sonst ist gottseidank nichts zu sehen an dem Auto. Nach ein wenig Gewurschtel habe ich das Plastikteil wieder eingehängt; die Mechanik ist zum Glück sehr einfach, und ich kann das selbständig wieder einrenken.

Kleiner WasserfallUm halb elf düsen wir dann endlich los Richtung Escorles. Zunächst verfahren wir uns etwas und landen in Valdemossa. La Granja wollen wir uns dann auch für den Nachmittag aufheben und besuchen als erstes den Naturpark „La Reserva da Puig Punyent“, ein Ausflugsziel auch für die Einheimischen. Hier durchwandern wir einen pflanzenreichen Park, und finden einen Bären im Käfig vor. Wir sind ganz erstaunt, dass es hier diese Tiere geben soll, haben wir doch überhaupt nichts davon gehört oder gelesen…

Auf dem vorgezeichneten Pfad werden wir zunächst von einer schwerfälligen Gruppe älterer Leute ausgebremst. An einer Wegabzweigung kommen wir endlich an ihnen vorbei, und ihr spanischer Führer spricht uns sofort auf deutsch an. „Oben am Rastplatz sehen wir uns wieder“, teilt er uns zu unserer Überraschung mit. „Halten Sie dann bitte Ihre Eintrittskarten bereit.“ Na sowas…

Der Park ist ganz nett. Ein paar hübsche kleine Wasserfälle gibt es hier, und in der Nähe des Rastplatzes, wo man selber grillen kann und es auch einen kleinen Kiosk gibt, treibt sich eine Unzahl Pfaue herum. Als ich einige von ihnen fotografieren will, kommt der Führer zu uns, versucht sie für uns anzulocken, und knippst dann doch noch unsere Tickets ab. Irgendwie erinnert er mich ein bißchen an Jorge, den Kayaklehrer auf Vancouver Island, den wir letztes Jahr während unserer Kanadareise kennengelernt hatten.

Allzu spektakulär finden wir den Park dann aber doch nicht, und so ist der Rückweg denn auch schnell geschafft. Für einen Familienausflug mag La Reserva gut geeignet sein, aber für uns bietet sie nicht genug. Nach einem Orangensnack auf dem Parkplatz fahren wir dann zurück Richtung Escorles und zur Finca La Granja. Dort kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie die Mallorquiner gelebt haben und wie man sich auf solch einem Gehöft vollständig selbst versorgt hat.

La GranjaUm etwa 14 Uhr erreichen wir den recht großen Parkplatz, auf dem sich schon viele Pkws und zahlreiche Busse befinden. Hinter uns folgen sogleich einige weitere Reisebusse nach. Also beeilen wir uns, um vor der nächsten Horde in den Hof hineinzukommen.

Man merkt sofort, dass die ganze Sache natürlich äußerst touristisch angelegt ist. Kaum haben wir bezahlt und sind, den Pfeilen für den Rundgang folgend, die ersten Treppen hinaufgegangen, will man uns mit irgendwelchen in Trachten gekleideten Mädels ablichten. Wir lehnen dankend ab und kämpfen uns durch die Scheunen, die vollgestopft sind mit alten Geräten und fast noch älteren spanischen Touristen. An denen ist kaum vorbeizukommen. So klein die meisten von denen auch sein mögen – sie nehmen unglaublich viel Platz ein auf den Wegen und in den schmalen Gängen…

Wir durchqueren die Räumlichkeiten der Finca und sehen Wohn- und Schlafzimmer, Spielzimmer und Küchen und dergleichen mehr. Es ist schon sehr interessant. Was uns aber am meisten erstaunt, ist, dass hier hundert Jahre alte Bücher, die sicher einen gewissen Wert haben, offen herumliegen, sodaß sie theoretisch jeder berühren und dabei beschädigen oder sogar mitnehmen könnte. Bei uns in Deutschland gäbe es sowas nicht…

Schließlich beenden wir den Rundgang und erreichen den großen Innenhof, in dem sich letztendlich die ganzen Besucher wiederfinden. Hier gibt es gratis Wein zum Probieren; man kann Honig und andere Produkte der Finca kaufen, das Restaurant besuchen, und, und, und. An einem Stand wird Käse zum Probieren ausgegeben, und für das Frischgebackene aus Kartoffeln stehen die Leute Schlange. Auch wir gönnen uns etwas. Den Wein probieren wir natürlich auch; vielleicht nehmen wir sogar einen mit. Dann stellen wir uns für das Gebäck an. Hier beginnen wir uns über die Leute zu wundern. Unsere Tischnachbarn im Hotel hatten uns gewarnt, dass besonders die „Muttis“ hier mit Vorsicht zu genießen seien. Wenn es etwas umsonst gibt, sind sie vorne mit dabei. Und tatsächlich: Wir werden hier fast erdrückt von den älteren dicklichen Frauen, die ihren Hunger stillen wollen. Besonders eine Frau, von uns liebevoll „die Hexe“ genannt, hat es uns angetan. Wir stehen wartend in der Schlange, etwa an vierter oder fünfter Position, als sie von rechts ankommt und schaut, was es hier gibt. Dann verschwindet sie wieder. Eine halbe Minute später taucht sie links vor uns direkt an der Theke wieder auf und hat bereits Gebäck in der Hand und im Mund und stopft gierig nach! Wir fassen es nicht! So was dreistes!

Aber das Gebäck schmeckt uns auch, besonders mit Orangenmarmelade. Hier kann man sich richtig satt essen, stellen wir fest. Als wir den Blick über den Innenhof schweifen lassen, erkennen wir, dass offensichtlich einige der Besucher versuchen, den Eintritt Pfennig für Pfennig heraus zu arbeiten, indem sie essen und trinken, soviel sie können. Wir sehen einige, die sich kaum noch gerade halten können und ständig mit vollen Weinpinnecken quer über den Hof schießen. Man könnte sich beömmeln… Unsere Hexe gehört auch zu diesen Leuten. Entsetzt, aber nicht überrascht, stellen wir fest, dass es sich um eine Deutsche handelt! Als wir uns am Käsestand entschließen, zwei Kilo dieses leckeren Zeugs mitzunehmen, sehe ich, wie die Hexe mit ihrem Kartoffelkloß, von dem sie gerade sabbernd abgebissen hat, erneut durch die Schüssel mit Puderzucker fährt. Da vergeht mir fast der Appetit; die schreckt wirklich vor nichts zurück.

Mit einiger Mühe und einigem Probieren wählen wir uns einen Wein aus, kaufen den Käse und zwei Gläser Honig und gönnen uns noch zwei Gebäckbällchen auf dem Weg hinaus, als wir die Hexe reden hören: „Nee, ich kann nicht mehr.“ Wir fallen fast vom Glauben ab; das haben wir echt nicht mehr erwartet!

Port ValdemossaUm noch etwas Vernünftiges in den Magen zu bekommen, beschließen wir, heute einmal nicht im Hotel zu essen, sondern einer Empfehlung des Reiseführers zu folgen. Wir fahren eine sehr enge Straße, die sich von Valdemossa sechs Kilometer in zahllosen, äußerst engen Kurven bis zum Meer hinunterwindet, nach Port Valdemossa. In diesem kleinen Hafenörtchen soll man sehr gut Fisch essen können. Schmaler kann man eine Straße wirklich nicht bauen; der Mittelstreifen ist ein Witz! Die Straße nach Sa Calobra ist dagegen wirklich Kinderkram! Unten angelangt müssen wir feststellen, dass zu dieser Jahreszeit offensichtlich noch kein Restaurant geöffnet hat; sowieso scheint das ganze winzige Örtchen total tot zu sein. Wir müssen also auf unseren Fisch verzichten.

Bis nach Soller schaffen wir es nicht mehr rechtzeitig zum Abendessen, also quälen wir uns die Serpentinen wieder hoch und fahren weiter nach Valdemossa, wo wir hoffentlich einen Happen kriegen werden…

Am Ende der Fußgängerzone finden wir ein kleines Bistro, das noch geöffnet hat, und kehren hier ein. Wir sind zum Glück nicht die einzigen Gäste, wie wir schon befürchtet haben. Das Essen mundet uns dann auch ausgezeichnet. Hausgemachte Kroketten, Schweinemedaillons und die Spezialität Tumbet sind echt lecker. Als wir nach einem Digestif fragen, bietet man uns einen Hierbas an – einen einheimischen Likör, der uns ebenso gut schmeckt. Den merken wir uns!

Anschließend geht es durch pechschwarze Nacht zurück nach Puerto Soller. Heute scheint die Strecke zwischen Deia und Soller, die wir ja schon einmal befahren haben, eine besonders schreckliche Buckelpiste zu sein. Der Wagen springt nahezu über die vielen Wellen in der Straßendecke, und um 21 Uhr erreichen wir unser Hotel.

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