Cami d'Es Barranc

Die erste Wanderung auf dem Cami d’Es Barranc

Aah, heute ist mein letzter Tag als junger Spund – morgen ist es vorbei mit der Zwei vorne beim Lebensalter… Ich versuche, nicht daran zu denken, und wir begeben uns zum ersten Frühstück auf Mallorca. Das Buffet ist einfach, aber okay – bis auf den Käse. Gut, die Marmelade ist auch nicht das Wahre. Aber sonst…

Den Kaffee ziehen wir uns aus einer urtümlichen, riesenhaften Maschine, die einen enormen Geräuschpegel aufweist. Birgit zapft für mich einen Kaffee mit Milch. Nach dem ersten Schluck beschließe ich, mein Koffein die nächsten neun Tage schwarz zu mir zu nehmen…

Um 9 Uhr 30 erreichen wir die Haltestelle der berühmten Tram, die Puerto Soller mit dem eigentlichen Soller verbindet. Aber nach einem Blick auf den Fahrplan stellen wir brüskiert fest, dass die nächste Bahn erst in einer Stunde Richtung Soller fährt. Solange wollen wir hier aber nicht im frischen Morgenwind stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt.

Die Strecke ist gar nicht so weit. Wir kommen vorbei an kleinen Häuschen, in deren Gärten noch die letzten Mandelbäume blühen. Orangen können wir bewundern und am Ortseingang von Soller eine hübsche Finca mit roten Fensterläden, die sehr einladend wirkt. Die Tramschienen verfolgend, gelangen wir bei tollem Wetter durch einige hübsche Gassen und kommen an grünen Gärten vorbei, in denen dicke Zitronen an den Bäumen hängen, mitten hinein in das vormittäglich ruhige Soller. Ein scheinbar herrenloser Hund verfolgt uns, seitdem Birgit seinem fragenden Blick mit einem leichtsinnigen „Na, komm!“ begegnete. Aber irgendwann hängen wir ihn dann doch ab und erreichen einen äußerst belebten Platz, auf dem ein Markt stattfindet. Das wichtigste Handelsgut scheinen hier Schuhe zu sein. Die eigentliche Markthalle ist gleich nebenan. Wir treten ein und schauen uns zwischen den Obst- und Gemüseständen um. Schließlich erstehen wir einige Pflaumen und Orangen. In einem Seitengang der Halle wird nackter, toter Fisch verkauft, den ich auf Birgits Drängen hin dann auch noch fotografiere… Jetzt aber raus.

Ein Stückchen weiter erreichen wir den zentralen Platz der Stadt – die Placa de Sa Constitucio. Hier befindet sich das Rathaus mit Polizei und Touristen-Information, die Kathedrale sowie zahlreiche Cafés und Läden. Nach einem kurzen Besuch der Kirche gönnen wir uns einen „Naranja natural“ im Café Paris, bevor ich im Info-Büro bei der Nachfrage nach Informationen über Wandermöglichkeiten mit einem „Habla usted español?“ zunächst für Verwirrung sorge…

Für unsere erste kleine Wanderung rüsten wir uns mit Kuchen und Baguettes aus. Wir wollen den Cami d’Es Barranc entlangwandern, eine Empfehlung aus dem Wanderführer, den ich mir gekauft hatte, und so stiefeln wir los Richtung Biniaraix.

Cami d'Es Barranc WandernWir passieren mit gelben und orangefarbenen Früchten überhäufte Bäume in dicht bewachsenen Gärten, machen eine kurze Mittagspause zwecks Verzehr der mit Käse und Schinken fertig belegten Baguettes, und erreichen nach etwa einer Dreiviertelstunde die steinigen Stufen, die hinaufführen in das Herz des kleinen Dörfchens.

Nur etwa zwei- bis dreihundert Meter Fußmarsch brauchen wir, um das Örtchen zu durchqueren und am anderen Ende den Weg zu erreichen, der uns in die Berge des Hinterlandes von Soller führen soll. Wir stapfen vorbei an faulen Schafen und einem ausgetrockneten Bachbett, über im Augenblick nutzlosen Brücken, den alten Olivenbauernpfad hinauf. Der Weg besteht aus abertausenden Steinen, auf denen man nicht sehr bequem laufen kann. Rechts und links säumen Mauern aus ebensolchen Steinen den Weg, schattenspendende Olivenbäume laden zum Pausieren ein.

Cami d'Es Barranc PfadFür eine kurze Zeit nehmen wir diese Einladung an, dann packt mich die Wanderwut wieder, und ich marschiere weiter den Berg hinauf, während Birgit unter dem Olivenbaum in ihrem Buch schmökert. Einige Leute kommen mir entgegen, und die Sonne entlockt meiner Stirn die ersten Schweißtropfen. Der steinige Weg führt in Serpentinen den Hang hinauf, folgt dabei dem Bachlauf an alten Steinhütten vorbei. Olivenbauern haben hier gewohnt oder wohnen hier zum Teil sogar immer noch. Endlich höre ich Wassergurgeln; dort, wo der Pfad in den Berg hineinschneidet, führt der Bach noch Flüssigkeit. Eine ältere Dame wird den Weg hinuntergeführt, und wenige Minuten später zieht eine Horde Kinder an mir vorbei ins Tal. Vielleicht sollte ich jetzt doch umkehren. So lange möchte ich Birgit doch nicht alleine lassen… Ich kehre also um, überhole die alte Dame wieder und scheuche die kleinen Kinder wie bei einem Kleinkinderalmabtrieb vor mir her. Viertel vor fünf ist es, als ich wieder bei Birgit bin und wir gemeinsam den Weg zurück nach Soller antreten.

Mit der Tram fahren wir schließlich nach Puerto Soller zurück, genießen nach einer kurzen Regenerationspause das Abendessen mit unseren unterhaltsamen Tischnachbarn und spielen anschließend im Aufenthaltsraum „Siedler von Catan“. Kurz vor Antritt der Bettruhe bemerke ich, dass die „30″ schon leicht auf meiner Stirn zu sehen ist…

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