Puig Major aus der Ferne

Streifzug um den Puig Major höchsten Berges von Mallorca

Erneut gehören wir zu den Letzten am Frühstückstisch, aber das macht uns ja nichts aus. Wir sind ja im Urlaub, und nichts zwingt uns, jeden Tag früh aufzustehen. Seit vorgestern abend haben wir neue Tischnachbarn, ein Paar mittleren Semesters, das heute aber schon fertig zu sein scheint. Nur einige Krümel zeugen noch von seiner Anwesenheit hier am Tisch.

Puig Major ObservatoriumDa unsere Füße sich wieder erholt haben, unternehmen wir heute noch einmal eine Wanderung, dieses mal einen „Streifzug um den Puig Major“, den mit etwa 1500 Metern höchsten Berg auf dieser Insel. Wir folgen dabei wieder einer vorgeschlagenen Route aus dem kleinen blauen Büchlein. Unser Tigra bringt uns zu einer kleinen Parkbucht entlang der Straße nach Sa Calobra, von der aus wir die Tour beginnen. Um halb zwölf latschen wir los, zunächst steil den Hang hinauf, vor dem wir geparkt haben. Wir marschieren mal wieder auf einem steinigen Weg, der kaum zu erkennen ist. Aber Birgit geht vorneweg und bewährt sich als Pfadfinderin. Anscheinend auf dem richtigen Weg erreichen wir den Grat dieser Erhebung und erhaschen einen ersten Blick über die Straße nach Sa Calobra mit ihren zahllosen Windungen hinweg auf das Mittelmeer hinaus. In der Ferne erkennen wir einen Turm, der als Wachposten vor Piraten schützen sollte, die früher über das Meer kamen. Heute sind es halt die Touristen, die die Insel überfallen…

Der Weg wird besser, und irgendwann setzen wir uns auf einem großen Stein in die herrliche Sonne und genießen erneut unser Lieblingsessen: Baguette mit Käse. In solchen Momenten gibt es nichts Wohlschmeckenderes auf der Welt! Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und die Sonne ins Gesicht scheinen, und schalten ein wenig ab.

Ein Stückchen noch, dann würden wir die Mini-Dörfer Bini-Gran und Bini-Petit erreichen. Den Abstieg mache ich dann alleine, während Birgit sich mit ihrem Buch auf die Anhöhe zurückzieht. Ich möchte einfach nur mal sehen, was hinter der nächsten Kurve ist…

Puig MajorWährend der ganzen Wanderung schon hat es ständig um uns herum geklingelt und geläutet; wirklich überall scheinen die Schafe, von mir auch liebevoll „schottische Schweine“ genannt, hier herumzurennen. Jetzt sogar direkt vor mir auf dem Weg. Mir gegenüber steht ein Schaft und blökt mich an. Mir fällt keine Erwiderung ein. Einmal, zweimal macht es noch „Mäh“, dann geht es doch zur Seite, blökt noch einmal und verschwindet. Eine seltsame Unterhaltung…

Vor mir öffnet sich ein wirklich anheimelndes Tal, das von dicken Felsen vor dem Seewind geschützt hier am Fuße des Puig Major liegt. Ein paar Häuser kann man erkennen in dieser Idylle, in der wir Stadtmenschen es wohl nicht lange aushalten würden…

So langsam kehre ich zu Birgit zurück, und wir machen uns auf den schweißtreibenden Rückweg. Irgendwo hängt Birgit mich ab und gewinnt einige hundert Meter Vorsprung. Prompt gerate ich auf den falschen Weg und muß mir unter Birgits amüsiertem Gelächter erst den Weg durch das Dickicht kämpfen, um den richtigen Pfad zu erreichen. Ist ja nicht zu fassen, sowas. Verirre ich mich hier doch glatt in der Pampa!

Etwa 16 Uhr beginnen wir mit dem Abstieg hinunter zur Parkbucht. Kaum erreichen wir den Tigra, stellen wir fest, dass wir zwar den Kofferraum auf kriegen, aber beide Türen lassen sich von außen mit dem Schlüssel nicht mehr öffnen!

Durch den Kofferraum können wir die Türen jedoch von innen öffnen, und ganz aufgeregt fahren wir zwei Kilometer auf der Straße nach Sa Calobra zurück bis zu dem Kiosk, der direkt an der Abzweigung der Straße von der C710 liegt.

Wunderschönes FornalutxAuf dem Rückweg nach Puerto Soller fahren wir noch einmal nach Fornalutx. Dieses mal wollen wir uns das „schönste Dorf Spaniens“ nicht nur vom Auto aus angucken. Heute haben wir mehr Glück auf der Suche nach einem Parkplatz und stellen den Wagen direkt vor ein Café ab. Mit dem Fotoapparat bewaffnet stapfen wir dann die zahlreichen Treppen hinauf und entdecken wirklich hübsche Ecken in dem Örtchen. Schließlich genehmigen wir uns noch den obligatorischen Orangensaft und kehren um 18 Uhr zum Hotel zurück.

Nach kurzer Pause zur Erholung von dem aufregenden Nachmittag und einer belebenden Dusche können wir unsere neuen Tischnachbarn davor warnen, einen Tigra mieten zu wollen, da dieser doch bloß das Interesse von Autodieben weckt…

Es ist schon faszinierend. Eine ganze Woche haben wir Thorsten und Andrea aus Hamburg zugehört, wie sie uns Empfehlungen gaben, und nun sind wir diejenigen, die den Neuankömmlingen etwas von den hiesigen Möglichkeiten erzählen. Das Wort „wildromantisch“ gebrauchen wir dann aber doch nicht…

Ach ja: Eines Abends haben Birgit und ich gewettet, wie oft Thorsten an jenem Abend dieses Wort gebrauchen würde. Wir lagen beide falsch. Als ob er es geahnt hätte, sagte er stattdessen zum ersten mal und gleich zweimal „traumhaft schön“! Da waren wir ganz schön überrascht!

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